Was kann man an Kompetenzen schlecht finden?

Seit Jahren schätze ich die Beiträge der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Gabi Reinmann, Professorin für Lehren und Lernen an der Universität der Bundeswehr München, und lese deshalb ihren Blog „E-Denkarium„. Sie erprobt mit grossem Einsatz immer wieder Neues , besonders auch in ihrem eigenen Unterricht. Sie ist zudem äusserst vorsichtig, wenn sie den Eindruck hat, dass zu viele ihrer Kolleg/innen einem neuen wissenschaftlichen ‚Hype‘ nachrennen.

Ein eben erschienener Beitrag behandelt die auch in der Schweizer Berufsbildung verfolgten Mode, Lehrpläne als Kompetenzen zu formulieren. Nachdem ich eben geholfen habe, auf dieser Basis eine Berufsprüfung zu konzipieren und dabei neben den Stärken auh die Schwächen dieses Ansatzes erlebe, nehme ich ihre Frage doppelt ernst und erlaube mir, aus ihrem Text zu zitieren:

„Beim Lesen von Beiträgen zum Kompetenzthema beschleicht mich trotzdem immer so ein zwiespältiges Gefühl. Es stören mich mehrere Dinge, ohne dass ich wirklich genau explizieren könnte, was es ist, das mich stört:

• Vielleicht stört mich der implizit in der „neuen“ Kompetenzorientierung steckende Vorwurf, vor der Kompetenzwelle hätte niemand Interesse am Handeln gehabt, was man so sicher nicht stehen lassen kann.
÷ Vielleicht stört mich aber auch die mit der Kompetenz- und Output-Orientierung verbundene (scheinbare oder tatsächliche?) Abwertung der Inhalte bzw. der Sache, mit der man sich in einem Studium beschäftigt bzw. beschäftigen sollte.
• Damit zusammenhängend stört mich vielleicht auch die sich bei mir einschleichende Befürchtung, dass man in einem „kompetenzorientierten Studium“ vor allem um sich selber kreist und sowohl Inhalte als auch andere Personen letztlich nur Mittel zum Zweck (welchen genau?) werden.
• Vielleicht stört mich darüber hinaus ein impliziter Widerspruch, nämlich der zwischen der Behauptung, dass nun alles Interesse an den Kompetenzen hafte, die als Dispositionen allerdings nicht direkt erkennbar sind, und der Forderung, alles Augenmerk plötzlich auf das sichtbare Verhalten zu lenken, das ja allenfalls ein Indikator für eine Kompetenz sein kann.“