Warum besteht jeder die theoretische Fahrprüfung?

Gunter Dueck, während langen Jahren im oberen Kader von IBM tätig und nun viel gefragter Management-Trainer, beschäftigt sich wieder mal mit dem Bildungswesen. Er frägt: „Warum besteht absolut jeder die theoretische Führerscheinprüfung?“ und antwortet: „Weil er WILL – denn es hat Sinn und nützt.“

Daraus leitet er die Forderung ab, die wissenschaftliche Struktur unserer Lehrpläne zugunsten von „Möglichkeit, leidenschaftliches Interesse zu wecken,“ ein bisschen aufzugeben. (Mail vom 3. Dez. 12) In seinem Text zum Thema führt er dann aus:

„Jeder lernt gern, wenn eines oder mehreres vom Folgenden zutrifft:
– Das Gelernte nützt und hilft weiter
– Das Gelernte fesselt die Aufmerksamkeit oder macht Freude oder Spaß
– Das Gelernte eröffnet eine neue Welt des Interesses

Das Problem scheint zu sein, dass ‚da kein System dahinter steckt‘, sonst könnten wir danach vorgehen. Unsere Erziehungssysteme tendieren aber immer mehr dazu, den Erziehungsprozess zu systematisieren und letztlich zu industrialisieren.“

Mir leuchten seine Überlegungen ein, vor allem auch seine im erwähnten Text geäusserten Gedanken, weshalb denn systematisiert wurde und wird. Mit der Einführung von ‚Standards‘ bestimmt immer mehr ein vorgeschriebener Kanon das Lernen und nicht das Interesse der Lernenden.

In der beruflichen Grundbildung galt während Jahrzehnten der Grundsatz, dass im Betrieb gelehrt und gerlernt wird, was bei einer konkreten Aufgabe ’nützt und weiter hilft‘. Seit einigen Jahren wird versucht, detailliert zu erfassen und festzuhalten, welche Qualifikationen ’nützen und weiter helfen‘. Diese werden dann – möglichst systematisch – vermittelt. Gut gemeint – aber damit entsteht auch hier ein Kanon, ein System, bei dem nicht mehr ‚leidenschaftliches Interesse geweckt, sondern die Erfüllung von Vorgaben im Vordergrund steht.

Auch betriebliche Ausbilder müssen immer mehr ‚motivieren‘, was Lehrpersonen seit Jahrzehnten tun, um die Lehrpläne zu erfüllen.