Gleichartig statt gleichwertig?

Prof. Dieter Euler hat im neuen „folio“ (einmal mehr) einen interessanten Denkanstoss gegeben: Die Einsatzgebiete von Absolvent/innen beruflicher Bildungswege würden sich von denjenigen akademischer Studien in manchen Feldern kaum noch unterscheiden. Die Abgrenzungsformel „Gleichwertig, aber nicht gleichartig“ erweise sich immer mehr als Beschwörungsrhetorik statt als Beschreibung der Wirklichkeit. Euler nennt als Beispiel die Ausbildungen von Dipl. Pflegepersonen (Höhere Fachschule) und von BSc in Pflege (Fachhochschulen). Mir fallen dazu auch Ausbildungen in den Bereiche Gestaltung, Informatik, Architektur ein.

Interessant auch ein Schluss, den er daraus zieht: Weshalb ist der Zugang zu Fachhochschulen ausschliesslich über zusätzliche Allgemeinbildung möglich, nicht auch über zusätzliche berufliche Bildung?
Dazu ein Blick über die Grenze: In vielen deutschen Bundesländern eröffnet ein Meisterdiplom ebenfalls den Zugang zu Universitäten, nicht nur ein Abitur. Österreich kennt wie die Schweiz die Berufsmaturität. Sie basiert dort jedoch auf einer Kombination von zusätzlicher Allgemeinbildung und zusätzlicher Berufsbildung.

Man tagt. Man vergleicht.

Über die SwissSkills in Bern (17. bis 21. September 14) und den „Erster Internationaler Berufsbildungskongress“ in Winterthur (15. bis 18. September 14) wurde ausführlich berichtet. Gleichzeitig tagte man auch in Deutschland:
Am 18. und 19. September fand der 7. Kongress des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) statt. Motto: Berufsbildung attraktiver gestalten – mehr Durchlässigkeit ermöglichen. Es wird berichtet: „Das BIBB konnte [neben vielen Deutschen] knapp 100 Gäste aus rund 35 Ländern von vier Kontinenten sowie Vertreterinnen und Vertreter von internationalen Berufsbildungsorganisationen wie CEDEFOP, ETF und UNESCO-UNEVOC als Kongressteilnehmende begrüßen.“
Das nennt man konzertierte Aktion zur Förderung der Berufsbildung. Oder war es Zufall?

Persönlich interessierte mich am meisten folgender Bericht aus Berlin: „Bund und Länder haben sich im vergangenen Jahr auf den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) geeinigt. Nach den im DQR vereinbarten Richtlinien können erstmals unterschiedliche Abschlüsse verglichen und bewertet werden. Die Abschlüsse Bachelor, Meister oder Techniker entsprechen gleichermaßen dem DQR-Niveau 6.“ Quelle
Bin ja gespannt, ob unsere Techniker HF und unsere eidg. dipl. Meister auch mit den Bachelors von FHS und Universitäten in die gleiche Schublade des Schweizer „NQR“ eingeteilt werden.

Förderung von Leistungsstarken in Deutschland: AusbildungPlus

Die „Duale Berufsausbildung mit Zusatzqualifikationen“ soll die Berufslehren für leistungsstarke Lernende attraktiver machen. Herzstück ist die Datenbank „AusbildungPlus“ des BIBB – beruhend auf freiwilligen Anbieterangaben. 2013 waren in der Datenbank rund 2.300 Zusatzqualifikationen mit insgesamt rund 85.000 teilnehmenden Auszubildenden verzeichnet. Zusatzqualifikationen richten sich an Jugendliche, die ihre duale Berufsausbildung durch Inhalte ergänzen möchten, die über die Mindestanforderungen der Ausbildungsordnung hinausgehen oder branchenspezifische Qualifikationen abdecken, zum Beispiel „Fachberater/-in für den fairen Handel“ (Dauer: 120 Stunden) für angehende Einzelhandelskaufleute und Verkäufer/-innen oder „Betriebsassistent/-in im Handwerk“ (500 Stunden) für Handwerker.

Unternehmergeist in der Berufsbildung

Die Stiftung Enterprise führt seit 2006 unter dem Titel EnterPrize Wettbewerbe durch, bei denen „Unternehmergeist in der Berufsibldung“ ausgezeichnet wird. Nun ist eine Liste der bisherigen Preisträger erschienen, von der auch Dokumentationen heruntergeladen werden können, die die bisherigen Preisträger kurz darstellen.
Nebenbei: In der Zeitschrift PANORAMA gibt es ausführlichere Darstellungen der Priesträger 2006 und 2008.

Hier die Namen der Finalisten:

2006:
Berufswahlplattform Kanton Solothurn (Gewinner)
Creative Solutions, Winterthur
Lernfoyer, Zürich

2008:
Login, Ausbildungsverbund in der Welt des Verkehrs (Gewinner)
Haus der Farbe, Zürich
Leseförderung an Berufsfachschulen
Caroline Hüte & Mützen, Luzern
Laufbahn-Coaching, BerufsBildungBaden

2010:
Overall Lehrverbund, Basel (Gewinner)
Bühler AG, Uzwil
Crescenda, Gründungszentrum für Migrantinnen, Basel
Schulisches Brückenangebot Kanton Zug
Bildungsregion Zentralschweiz

EuroSkills: leuchtende Botschafter für die Berufsbildung von Italien und Portugal

Die Held/innen von Lissabon sind zurück.
Gemeinsam haben sie den zweiten Rang in der Punktewertung der Nationen erreicht und sind damit leuchtende Botschafterinnen und Botschafter des dualen Berufsbildungssystems der Schweiz.“

Dies ist auf der Site von Swissskills zu lesen. Klickt man sich zu den Resultaten durch findet man:

Bild 1.png

Die Site von EuroSkills selbst zeigt eine andere Nationenwertung. Hier steht die Schweiz an 17. Stelle. Offenbar gibt es Botschafter/innen, die für die Berufsbildungssysteme von Italien, Schweden oder Frankreich leuchten, Systeme von denen man in der Schweiz nicht allzu viel hält.
Rang 1 des in Lissabon durchgeführten Wettbewerbs hat nach dieser Wertung übrigens Portugal erreicht.

Ich denke, diese Resultate relativieren die Aussagen von Wettbewerben über die Qualität eines Bildungssystems. Oder beweisen die alte Weisheit: Mit Statistik lässt sich alles beweisen.

Was bleibt: fünf junge Berufsleute haben eine wichtige Erfahrung gemacht. Und neun Begleiter/innen hatten sicher interessante Gespräche. Dies ist erfreulich.

Berufs-WM: Nun ist das Team (fast) komplett

Die Schweiz wird an den diesjährigen Berufs-Weltmeisterschaften in Calgary (1. bis 6. September) mit 37 jungen Berufsleuten vertreten sein, wovon nun 36 bestimmt sind, vgl. Liste
Insgesamt nehmen über 1000 Personen aus 51 Ländern teil – beide Zahlen bedeuten eine neue Maximalmarke. Swiss-Skills (bisher: Swisscompetence) orientiert mit einem Newsletter regelmässig über den Stand der Vorbereitungen.
(PANORAMA.aktuell 17.3.2009)