Lehre und Gymi

Seit einiger Zeit finden auf Initiative des MBA Zürich Veranstaltungen für Eltern statt, bei denen es um den Entscheid geht, ob ihr Sohn, ihre Tochter eher in eine Berufslehre oder ein Gymnasium eintreten sollten. Während mehreren Jahren habe ich jeweils im Auftrag des Zürcher MBA das Impulsreferat gehalten. Nun wurde anhand des Inhalts dieser Referate ein 12 Minuten dauerndes Video erstellt, das in professioneller Weise diese Thematik darstellt. Es soll in erster Linie im Rahmen von Veranstaltungen zur Berufswahl eingesetzt werden.

Für mich ein äusserst erfreulicher Abschluss dieses Einsatzes!

Kaufmännische/r Angestellte/R – vielleicht korrekter als ‚Kaufmann/Kauffrau‘

Wie oft habe ich diese Bezeichnung für die 1940 erstmals reglementierte Berufslehre schon verwendet! Erst heute ist mir aufgefallen wie passend sie war: Es handelt sich bei dieser Grundbildung nicht um die Ausbildung zu einen Beruf, sondern um die Einführung in ein Arbeitsfeld. In ein sehr breites Arbeitsfeld, umfasst es doch Anwaltskanzleien, Bankschalter, Einkauf, Reisebüros, Personalabteilungen, Verkauf, Werbeagenturen usw.

Damit drängt sich die Frage auf, ob die akutelle Bezeichnung, Kaufmann/Kauffrau, nicht etwas vortäuscht, das nicht existiert, umso mehr als Kaufen und Verkaufen bei der Mehrheit der so qualifizierten Personen nur eine marginale Bedeutung hat.

Jugendpsychologie unterstützt Berufsbildung

Der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl wurde in der NZZ zum „Zustand der heutigen Jugend“ interviewt. Die Gesprächspartner kamen auf die Bewältigung der Pubertät zu sprechen. Guggenbühl meinte dazu:

„Die Lehrstelle ist so wichtig, weil die Jugendlichen auf Personen treffen, die sich mit ihnen auseinandersetzen, Forderungen an sie stellen, aber sie gleichzeitig wertschätzen. Pubertierende sehnen sich nach wirklichen Aufgaben und Verantwortung. Man darf nicht vergessen, dass bei der Gründung des Weltreichs England die Kapitäne der Schiffe der Royal Navy zum Teil erst 15 Jahre alt waren.

Berufliche Tätigkeiten geben den Pubertierenden oft das Gefühl, ernst genommen zu werden, der Verdienst ist der Beweis, dass man dazugehört. Sie empfinden die schulische Ausbildung hingegen oft als Disziplinarmassnahme der Erwachsenen, besonders die Gymnasiasten; sie fühlen sich noch zu wenig nütze, müssen lernen, was die Erwachsenen wichtig finden, was ihnen als Anpassungsleistung vorkommt. Es kommt dann oft zu einer Gegenreaktion, sie «tun blöd». Gerade in dieser Phase ist es wichtig, dass sie Bezugspersonen haben, die Grenzen ziehen, jedoch auch die Beziehung nicht abbrechen.“

Eine Stimme für die berufliche Grundbildung aus einer anderen Warte …

Quelle: NZZ vom 30.3.11, Vom Leben und Leiden in der Pubertät. Interview von Walter Hagenbüchle mit dem Jugendpsychologen Allan Guggenbühl und der SVP-Nationalrätin Natalie Rickli.

Woher kommen die Begriffe Triales System und Betriebslehre?

Kürzlich wurde vermutet, ich hätte den Begriff „triale Berufslehre“ in die Welt gesetzt. Danke fürs Kompliment – leider ist es unberechtigt. Seine erste Verwendung fand er meines Wissens in der „Botschaft zu einem neuen Bundesgesetz über die Berufsbildung“ vom 26. Januar 1977, also in der Botschaft der vorletzten Gesetzesreform.
Seite 9 wird die Notwendigkeit der Reform wie folgt begründet: „Einer der wesentlichen Gründe für die Revision des Gesetzes liegt in der Notwendigkeit, die berufliche Grundausbildung zu verbessern. Wenn die Betriebslehre weiterhin ihren Platz behaupten will, so ist es notwendig, sie wirkungsvoller zu gestalten. Es geht dabei vor allem um den Übergang vom dualen zum trialen System, das in den Erläuterungen zu Artikel 7 näher umschrieben wird.“ … womit auch gleich der Begriff der „Betrieblsehre“ eingeführt ist, meines Wissens auch zum ersten Mal. „Woher kommen die Begriffe Triales System und Betriebslehre?“ weiterlesen