Paul Sommerhalder ist gestorben

Am 13. November 2013 ist Paul Sommerhalder gestorben, 93-jährig.

Initiant der Berufsmittelschule

Präsident des Schweizerischen Verbandes für beruflichen Unterricht in entscheidender Zeit

Für mich: Vorbild, Freund und Förderer.

Emil Wettstein

Hier ein kurzer Text von ihm, den ich auf meiner Harddisk fand …

Alternative zur gymnasialen Bildung
Die Berufsmittelschulen (BMS) haben in der Schweiz eine ganz erfreuliche Entwicklung gemacht, die wir uns 67/68 nicht hätten träumen lassen. Wir waren ein Berufsschullehrerquartett an der Gewerbeschule Aarau. Uns ging es damals darum, das Mauerblümchen Berufsschule aufzuwerten. In jenen Jahren bedeutete Begabtenförderung vor allem Förderung der Mittel- und Hochschulen. Die Lehrer und Eltern hatten den Ehrgeiz, möglichst viele Schüler ins Gymnasium oder in ein Lehrerseminar zu bringen. Daher blieben für die Berufsbildung immer weniger leistungsfähige Schüler. Unsere Klassen wurden heterogener und durch mehr schwächere Lehrlinge belastet; dies erschwerte den Unterricht.
Endgültig aus dem Busch geklopft hat uns dann die Idee der Gymnasiallehrer, eine „Schule für mittlere Kader“ zu gründen. Darauf haben wir mit viel Idealismus und Einsatz das „Aarauer Modell “ entwickelt. Dabei stiessen wir bei einigen Kollegen auf Widerstand. Diese hatten für mehr Allgemeinbildung kaum Verständnis. Im Nachhinein hat sich unser Konzept jedoch als richtig erwiesen. Allgemeinbildung ist für die Mobilität der Berufsleute wichtig, und zwar aus beruflichen wie auch aus gesellschaftspolitischen Überlegungen.
Wir wollten nicht nur Lehrlinge ansprechen, die nachher eine Hochschulkarriere machen würden. Es sollten auch künftige Kaderleute in Industrie, Gewerbe und anderen Wirtschaftszweigen von einer besseren theoretischen Ausbildung profitieren. Trotzdem war die Durchlässigkeit für uns ein wichtiges Thema. Mit der HTL Windisch fanden wir eine Regelung für den prüfungsfreien Übertritt von BMS-Absolventen. Damit wurde die BMS zur Alternative zur gymnasialen Bildung und das Ziel „Aufwertung Berufslehre“ erreicht.

… und einige Publikationen von ihm, fast alle via Web oder in der Bibliothek der PH Zürich erhältlich:

Der Gewerbeschüler. [Jg.] 36, [1957/58]. Beil. 2. Geschäftskundliches Rechnen für das Baugewerbe von Paul Sommerhalder Sauerländer (1962)

Berufsbildung im Umbruch. l. Aktuelle Tendenzen, 2. Berufsmittelschule. Zürich : Institut f. Bildungsforschung u. Berufspädagogik d. Kantons Zürich 1970

Gewerbeschüler. [Jg.] 49. [1970/1971]. Leseh. 3/4. Unsere Armee. Verl. Gewerbeschüler, Sauerländer (1970) (zusammen mit Max Mathys)

Rechnen für Coiffeusen und Coiffeure des Damen- und Herrenfachs. Schülerausgabe von Karl Hauser, Alfred Rutz und Sommerhalder Paul (1980)
Allgemeines Rechnen für verschiedene Berufe von Paul Sommerhalder und Markus Hösli (1982)

Ausbildung und Anforderungen, insbesondere im Bereich Informatik, mit Rückschlüssen auf den beruflichen Unterricht, aus der Sicht ausgewählter Lehr- betriebe, Zürich (Amt für Berufsbildung) 1986.

Lehrlingsausbildung in Betrieben mit Spitzentechnologien, Zürich (Amt für Berufsbildung) 1987.

So entstand die Berufsmittelschule (BMS) : die Einführung einer Neuerung in der schweizerischen Berufsbildung 1968 : aus der Sicht der Initianten und mit persönlichem Kommentar des Verfassers dargestellt – Zürich : [s.n.], 1989.

Pioniere der Berufsbildung: Erwin A. Jeangros. http://www.panorama.ch/pdf/1993/Heft_4_1993/pan93435.pdf

Ausbildung in allgemeiner Krankenpflege – ein Erfahrungsbericht. http://www.panorama.ch/pdf/1991/Heft_3_1991/pan91325.pdf

Projektunterricht an der Gewerblich-Industriellen Berufsschule des Kantons Zug. http://www.panorama.ch/pdf/1990/Heft_3_1990/pan90333.pdf

Lehrlingsausbildung und Spitzentechnologien. http://www.panorama.ch/pdf/1987/Heft_1_1987/pan87107.pdf

In dem „Blättern für den Berufsschulunterricht“ (heute: Folio) dürften vor und nach 1970 mehrere Aufsätze von Paul Sommerhalder zu finden sein – er war damals (sehr aktiver) Leiter des Schweiz. Verbandes für beruflichen Unterricht (SVBU, heute B-CH). 1970 tritt der SVGU unter seiner Leitung mit einer grossen Tagung unter dem Titel „Berufsbildung im Umbruch“ an die Öffentlichkeit. Es sei „zu lange für zu viele zu wenig getan“ worden, deshalb sei nun die Berufsbildung „durch Sofortmassnahmen zu verbessern sowie durch mittelfristige und langfristige Pläne auf die Erfordernisse der Zukunft auszurichten“ (Blätter 1970, 8/9). Der Liestaler „Paukenschlag“, wie die Tagung der Berufsschulverbände bezeichnet wurde, fand in der Tages- und Fachpresse ein nachhaltiges Echo.