Mit Nachwuchskampagnen Jugendliche werben – mehr vom Gleichen.

Verschiedene Branchen leiden unter Nachwuchsmangel. Die Zahl der Jugendlichen ist begrenzt und sinkt in manchen Regionen weiter. Anderseits will die Wirtschaft wachsen. Deshalb wird versucht, Jugendliche mit raffinierter Öffentlichkeitsarbeit auf einen wenig gesuchten Beruf aufmerksam aufmerksam zu machen. Die Metzger haben dieser Tage eine solche Kampagne gestartet. Wenn sie gross genug ist bringt sie sicher etwas – mindestens für die beteiligten PR-Büros. Und sicher hat sie noch grössere Werbekampagnen für andere Berufe zur Folge.

Man könnte auch versuchen, andere Wege zu gehen, statt immer ausgefeiltere Werbekampagnen zu entwickeln. Zum Beispiel in dem man den Nachwuchs bei Erwachsenen sucht, statt bei Jugendlichen.
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Die Pflästerer sind eine Branche, die diesen Weg bereits gegangen ist. Die Zahl der Pflästerer-Lehrlinge sank vor einigen Jahren auf weniger als 10 pro Jahr. Heute decken sie ihren Nachwuchsbedarf zum grossen Teil durch die Ausbildung von Erwachsenen statt von Jugendlichen.

In der Schweiz arbeiten über 600’000 Männer und Frauen, die älter als 24 Jahre sind und nie eine Berufslehre oder eine Mittelschule abgeschlossen haben. Manche von ihnen verfügen durchaus über die nötige Kapazität um noch einen Beruf zu erlernen und sind auch interessiert, vorwärts zu kommen. Das Berufsbildungsgesetz sieht spezielle Wege für Erwachsene vor, die eine Grundbildung nachholen möchten. Sie werden kaum benutzt, den in der Praxis sind grosse Hindernisse zu überwinden. Jährlich erwerben deshalb nur 3000 Personen über 25 Jahren einen ersten Berufsabschluss. Seit kurzem sind nun aber verschiedene Initiativen im Gange, um die vorgesehenen Wege auch wirklich begehbar zu machen, unter anderem unsere Initiative «ZweiteChance».

Die Schweizer Berufsbildung richtet sich in erster Linie an Jugendliche. Anderseits gibt es viele Erwachsene, die weiter kommen möchten. Weshalb nicht hier ansetzen? Vor allem Branchen mit einem einem hohem Anteil an Un- und Angelernten kommen dazu in Frage. Zum Beispiel die Gipser, wo der Anteil der Angelernten 90% beträgt!

Allerdings ist dazu ein geeignetes Setting notwendig, umfassend einen auf Erwachsene ausgerichteten Unterricht und einige andere Vorkehrungen. Dies gibt Aufwand, PR-Kampagne aberauch. Und die Erfolgsaussichten dürften grösser sein, wenn man sich an Erwachsene wendet, statt wie alle andern an Jugendliche. Ganz abgesehen davon, dass Erwachsene, die noch eine Berufsausbildung machen, diesem Berufsfeld langfristig treu bleiben werden.

Man kann das gleiche machen wie andere, nur größer und besser. Oder man kann nach anderen Wegen suchen, ein Problem zu lösen. Schön, wenn man zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen kann, nicht wahr?