„Markt-Design“ auf den Lehrstellenmarkt anwenden!

Mir war es natürlich klar: Der Lehrstellenmarkt ist ein Markt, bei dem die Verteilungsfrage nicht durch Preise koordiniert werden kann, womit er sich von den klassischen Märkten für Güter und Dienstleistungen unterschiedet. Was ich nicht wusste: In den Wirtschaftswissenschaften ist eine neue Disziplin entstanden, die versucht, Verfahren zu entwickeln um solche Märkte zu optimieren. Jacob Goeree und Konrad Mierendorff haben dieses Jahr in diesem Zusammenhang den Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Auf der Basis ihrer Arbeiten ist eine neue Diszplin entstanden, die sich mit „Markt-Design“ beschäftigt und versucht gute Verfahren zu finden, um Märkte zu optimieren, die nicht über Preise ablaufen.

Die NZZ beschreibt im diesbezüglichen Aufsatz ein Beispiel, das demjenigen der Schulabgänger/innen im Lehrstellenmarkt gleicht: „Ein wichtiger Anteil des medizinischen Personals in Krankenhäusern in den USA besteht aus Assistenzärzten, die gerade ihr Medizinstudium abgeschlossen haben. Bis in die fünfziger Jahre war dieser Arbeitsmarkt im Wesentlichen dezentral organisiert, was zu grossen Ineffizienzen führte. Erstens bewirkte der Wettbewerb um die besten Absolventen, dass Krankenhäuser immer früher versuchten, ihre Assistenzarztstellen zu besetzen. Das ging so weit, dass sich Medizinstudenten bereits lange vor ihrem Studienabschluss auf eine Stelle in einem Krankenhaus festlegen mussten. Dadurch entging den Studenten die Möglichkeit, ihre im weiteren Studium erworbenen Qualifikationen zu nutzen, um ihre Bewerbungschancen zu erhöhen. Und sie konnten auch nicht im Laufe des Studiums herausfinden, welche Spezialisierung ihnen am meisten liegt. Auch kam es häufig vor, das Absolventen Stellenangebote erst so spät ablehnten, dass die Krankenhäuser keine Möglichkeit mehr hatten, weitere Angebote zu machen. Diese Art der ineffizienten Verstopfung führte dazu, dass nicht alle Stellen rechtzeitig besetzt wurden.“ (NZZ, 20.12.12, S. 31 und Web-Auftritt)

Für den Lehrstellenmarkt ist mir ein einziger Ansatz von „Markt-Design“ bekannt: das von den Grossbanken vor einigen Jahren ausgehebelte „Gentlemen’s Agreement“, wonach Lehrverträge nicht vor dem 1. November des Vorjahres abgeschlossen werden dürfen. Vielleicht könnte versucht werden, mit diesen Ansätzen der Wirtschaftswissenschaften bessere Formen des Lehrstellenmarktes zu finden! Ein diesbezügliches Postulat wurde eben im NR eingereicht.