Höhere Fachprüfungen seit 1934

Bereits das erste Bundesgesetz, in Kraft ab 1.1.1933, enthält einen Abschnitt über „Höhere Fachprüfungen“. Als erstes reichte noch im gleichen Jahr das Maler-, Lackierer- und Gipsergewerbe ein entsprechendes Reglement ein. (Bbl 85 (1933) I 874, Genehmigung Band II, 110). 1934 folgten bereits zwölf weitere Reglemente für Meisterprüfungen.
Was mich überraschte: Bereits von Anfang an war es möglich, neben den Führungskräften für das Gewerbe (Meister) auch hochqualifizierten Fachleuten ein eidg. Diplom auszustellen:
In Art. 42 des Gesetzes vom 26. Juni 1930 wird festgelegt: „Die Berufsverbände können unter den nachstehenden Bedingungen gesetz- lich anerkannte Meisterprüfungen oder andere höhere Fachprüfungen veranstalten.
Durch die Prüfungen soll festgestellt werden, ob der Bewerber die zur selbständigen Ausübung seines Berufes notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse besitzt.“

Es ist also schon zu dieser Zeit klar, dass es neben den Meisterprüfungen auch eine Weiterbildung für besonders qualifizierte Fachleute braucht und diese Regelung wurde auch rasch angewendet: Am 3. Januar 1934 teilte das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit mit: „Der Schweizerische Kaufmännische Verein beabsichtigt, gestützt auf Art. 42 bis 49 des Bundesgesetzes vom 26. Juni 1930 über die berufliche Ausbildung, Diplomprüfungen £ür Buchhalter einzuführen und hat zu diesem Zwecke den Entwurf eines Prüfungsreglementes eingereicht. Interessenten können diesen Entwurf bei der unterzeichneten Amtsstelle beziehen, an die auch allfällige Einsprachen bis zum 11. Februar 1934 zu richten sind.“ (Quelle: Bundesblatt 86. Jg (1934) Band I, S. 17)

… womit wir auch gleich sehen, dass der Wortlaut der Ankündigung in den letzten 76 Jahren kaum geändert hat.

Noch was ist mir beim ‚Surfen‘ in alten Bundesblättern aufgefallen: Die Prüfung von Fachleuten hat es schon vor dem Berufsbildunggesetz gegeben. So werden im Bundesgesetz über die Kontrolle des Verkehrs mit Edelmetallen und Edelmetallwaren vom 20. Juni 1933 ein eidgenössisches Diplome für Probierer und dessen Erlangung definiert, Basis für eine Berufsbewilligung als Handelsprüfer.

Nebenbei: Wer Lust hat, in alten Bundesblättern zu ’surfen‘ kann dies über http://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/showHome.do tun.
Allerdings: es braucht etwas Geduld: die Texterkennung lässt zu wünschen übrig, entsprechend ist der Index, der der Suche zugrunde liegt, recht unvollständig. Wer die Geduld aufbringt findet aber beispielsweise die alten Reglemente über die Lehrlingsausbildung und die Reglemente über die Mindestanforderungen der Lehrabschlussprüfung.