Forschung: Auswirkungen der Fragestellung auf die Ergebnisse

Ich stosse immer wieder auf Texte, die meine Skepsis bezüglich quantitativen Untersuchungen in den Bildungs-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften stützen.

Zum Beispiel der Text von Christian Fichter und Felix Schläpfer (KOF, ETH) zur Bedeutung der Formulierung von Fragen.

Einleitend zitieren die Autoren eine Untersuchung von Tversky und Kahneman zu Unterschieden, ob „inhaltlich gleichwertige Konsequenzen positiv oder negativ formuliert werden – z. B. als «Anteil der Leute, die sterben» oder als «Anteil der Leute, die gerettet werden», in der „dramatische Unterschiede in der Bewertung von Risiken“ festgestellt wurden. Im Zentrum des Aufsatzes steht die Erfassung der Zahlungsbereitschaft, z.B. der Frage, wie viel jemand bereit wäre, an den Schutz von Wildnisgebieten zu zahlen. Sie kommen zum Schluss: „Die angewandte ökonomische Befragungsforschung hat sich noch kaum mit den Abweichungen des menschlichen Verhaltens vom Homo oeconomicus befasst. Die Situation ist paradox: Einerseits werden bestimmte Arten von Verzerrungen der Resultate, etwa durch ungenügend grosse oder nicht repräsentative Stichproben, sehr ernst genommen. Eine Studie, die solchen Verzerrungen nicht durch aufwändige, kostspielige Stichproben und durch die Schätzung von Vertrauensintervallen Rechnung trägt, würde heute kaum noch finanziert. Ganz anders sieht der Umgang mit problematischen Antwortheuristiken aus. Diese mindestens so wichtige Quelle von Verzerrungen, die in der traditionellen Ökonomie aber nicht existiert, wird kaum je beachtet, selbst in angesehensten Studien“, z.B. derjenigen von Carson et al.

Persönlich habe ich dies vor allem bei der Erfassung der notwendigen Vorbildung für einen erfolgreichen Lehrbesuch (Kompetenzprofile des KGV Zürich) festgestellt. Ich frage mich wie weit beispielsweise die in den PISA-Untersuchungen verwendeten Forumulierungen diesbezüglich untersucht worden sind.

In einemaandern Text frägt übrigens einer der Autoren, Felix Schläpfer „Was ist unwissenschaftlich an der modernen Wirtschaftswissenschaft?“ und kommt zum Schluss: „Ein einzelner Forschender oder Dozent kann kaum aus den disziplinären Traditionen ausbrechen, ohne seine wirtschaftliche Existenz zu gefährden.“

Angaben zu den oben erwähnten Untersuchungen:
Tversky, A., Kahneman, D., 1981. The framing of decisions and the psychology of choice. Science 211, 453-458.
Carson, R. T., Mitchell, R. C., Hanemann, M., Kopp, R. J., Presser, S. et al., 2003. Contingent valuation and lost passive use: Damages from the Exxon Valdez oil spill. Environmental & Resource Economics 25, 257-286.