Förderung von Erwachsenen ohne Sek.II-Abschluss mit Bildungsgutscheinen

Im Rahmen eines Pilotprojektes des Kantons Fribourg erhalten Personen über 25 ohne Abschluss der Sekundarstufe II Beiträge an die Weiterbildungskosten.

Pilotprojekt mit Bildungsgutscheinen für weniger Qualifizierte

Das Pilotprojekt zur Einführung eines Bildungsgutscheins für weniger gut qualifizierte Personen wird lanciert. Der Staatsrat hat den Aufbau dieses Pilotprojekts im Anschluss an die im Jahr 2008 angenommene Motion der Grossräte Xavier Ganioz und Jean-Pierre Siggen unterstützt. Ein Bildungsgutschein soll den betreffenden Personen als Anreiz für die Nutzung von Weiterbildungsangeboten dienen. Mit diesem Gutschein im Wert von maximal 800 CHF kann ein Weiterbildungskurs ganz oder teilweise finanziert werden. Wichtigstes Kriterium für die Vergabe eines Bildungsgutscheins ist der Ausbildungsstand: Zielgruppe sind Personen, die keine Ausbildung auf Sekundarstufe 2 abgeschlossen haben. Das Pilotprojekt wird versuchsweise in zwei Regionen des Kantons durchgeführt: in der Stadt Freiburg und im Glanebezirk.

Nicht alle bilden sich weiter. In der Schweiz geht aus verschiedenen Umfragen des Bundesamts für Statistik sowie aus wissenschaftlichen Studien hervor, dass die Teilnahme an der Weiterbildung je nach Bildungsniveau erhebliche Unterschiede aufweist; je tiefer das Bildungsniveau einer Person, desto weniger nimmt sie an Weiterbildungsaktivitäten teil. Gemäss den erwähnten Studien lässt sich die Weiterbildungsbeteiligung mit Bildungsgutscheinen steigern – auch bei Personen, die sonst nicht an Weiterbildungskursen teilnehmen.

Hintergrund des Pilotprojekts mit Bildungsgutscheinen im Kanton Fribourg

Im Kanton Freiburg erlauben die bestehenden Rechtsgrundlagen, dass den nicht gewinnorientierten Bildungseinrichtungen staatliche Unterstützungsbeiträge gewährt werden, damit die Kosten der Kurse für möglichst viele Interessierte erschwinglich sind.

Ausgehend von der Feststellung, dass die an einer Aus- oder Weiterbildung interessierten Personen keine direkte staatliche Hilfe in Anspruch nehmen können, wollten die Grossräte Xavier Ganioz und Jean-Pierre Siggen mit einer Motion (2008) erreichen, dass diese Lücke mit der Einführung eines Bildungsgutscheins gefüllt wird. Dabei verlangten die Motionäre, dass vor allem Personen ohne oder ohne ausreichende Ausbildung gezielt unterstützt werden.

In seiner Antwort auf diese Motion sprach sich der Staatsrat dafür aus, die Einführung eines Bildungsscheins zu prüfen. Daraufhin wurde eine erste Machbarkeitsstudie durchgeführt und ein Pilotprojekt geplant, um die Auswirkungen einer solchen Fördermassnahme abzuklären. Das Pilotprojekt wird diesen Monat lanciert, und zwar in der Stadt Freiburg, die sich als urbanes, zweisprachiges Umfeld anbietet, sowie im Glanebezirk als periphere, ländliche Region.

Einrichtung des Freiburger Bildungsgutscheins

Mit der Durchführung des Pilotprojekts ist das Amt für Berufsberatung und Erwachsenenbildung (BEA) betraut. Für die erste Phase des Pilotprojekts wurden 50’000 Franken bereitgestellt. Ziel ist es, die Auswirkungen einer solchen Fördermassnahme auf die Beteiligung von weniger gut qualifizierten Personen an Weiterbildungsaktivitäten zu erfassen. Nach der Versuchsphase soll eine Auswertung erfolgen; anschliessend wird der Staatsrat dem Grossen Rat einen Bericht unterbreiten, um über eine allfällige Weiterführung des Projekts zu entscheiden.

Voraussetzungen für den Bezug des Bildungsgutscheins

Massgebliches Kriterium für den Bezug des Bildungsgutscheins ist das Bildungsniveau. Der Gutschein kann Personen über 25 Jahren gewährt werden, die zum Zeitpunkt der Anmeldung für die angestrebte Weiterbildung in der Gemeinde Freiburg oder im Glanebezirk wohnhaft und steuerpflichtig sind. Zudem besteht auch eine Einkommensobergrenze: Diese soll gewährleisten, dass die Bildungsgutscheine jenen Personen zugute kommen, die sich selber das Kursgeld nicht leisten können. Interessierten, die sich beruflich und persönlich weiterbilden möchten, wird eine Liste von Kursen zur Verfügung gestellt.

Quelle: Panorama.aktuell / Medienmitteilung FR vom 10. Sept. 10