Fachmann/Fachfrau Betreuung: deutliche Stellungsnahme gegen Vorpraktika

Wie bei der Pflege war es auch in sozialen Berufen früher üblich, vor Antritt einer Ausbildung ein Praktikum zu absolvieren. Im Zusammenhang mit der Unterstellung unter das Berufsbildungsrecht wurde 2005 die Ausbildung Fachfrau/Fachmann Betreuung geschaffen, die wie andere berufliche Grundbildungen an die Volksschule anschliesst.

Die Organisation der Arbeit für das Sozialwesen, SavoirSocial, stellt nun fest, dass „viele Betriebe nach wie vor an den ehemaligen Zulassungsvoraussetzungen der altrechtlichen Vorgängerausbildungen“ festhalten. Mit entschiedenden Worten werden solche „Unabhängigen Praktika“ abgelehnt: „Die Mehrheit der Jugendlichen, die nach der obligatorischen Schulzeit ein solch Unabhängiges Praktikum … absolviert, findet nie eine Lehrstelle als Fachfrau / Fachmann Betreuung. Für diese Jugendlichen ist diese Art von Praktikum daher häufig nur eine unnötige und demotivierende Zwischenschlaufe.“ (avoirSocial: Praktika im Sozialbereich – Empfehlungen von SAVOIRSOCIAL, 19.1.2010

Man könnte zufügen:
… und bedeutet eine Ausnützung junger Frauen, weil sie so gezwungen werden ein oder zwei Jahre für ein Taschengeld zu arbeiten, bevor sie sich auch nur für die sie interessierende Berufslehre bewerben können. Andererseits soll die finanzielle Lage mancher Kinderkrippen so prekär sein, dass sie den Betrieb nur dank dieser Ausnutzung junger Frauen aufrecht erhalten können. Allerdings sind uns sogar von Gemeinden getragene Krippen bekannt, die auf diese Weise junge Frauen ausnutzen.

Ich kannte Zeiten, da hat ein Sportgeschäft Interessenten für eine Lehre als Sportartikel-Verkäufer (damals auch sehr gesuchte Lehrstellen) ein halbes Jahr Praktika machen lassen, bevor sie den Lehrvertrag bekamen. Dies wurde diesem Sportgeschäft vom zuständigen Berufsbildungsamt hoch offiziell verboten. Aber das ist schon lange her …

Wt 27.1.2010