Fachkräfteüberfluss

Gestern sprach ich mit einer jungen Frau, die eben eine Ausbildung für Umweltbildung an der ZHAW Wädenswil abgeschlossen hat und auf Stellensuche ist. Sie möchte das erworbene Wissen umsetzen können und berichtet, es seien durchaus einschlägige Stellen ausgeschrieben. Aber auf jede meldeten sich 200 bis 300 Bewerber/innen, darunter viele Biologen und Geographen mit Masterabschluss einer Universität.
Bei einem Stoss von 300 Bewerbungen erfolge dann verständlicherweise zuerst eine grobe Selektion an einem einfachen Kriterium und das sei eben der Bildungsabschluss und allenfalls noch der Umfang der einschlägigen Erfahrung. Mit ihrem Bachelor und beschränkter Erfahrung werde ihre Bewerbung bereits in diesem Stadium ausgesondert. Sie meldet sich nun auch auf Stellen mit Anforderungen, die – so sagt sie – eine gute kaufmännische Angestellte auch bewältigen würde. Kolleginnen von ihr hätten bereits drei oder vier Praktika absolviert, bei denen sie nur ein Taschengeld verdienen. Sie könne sich das nicht leisten, sie müsse zuerst Darlehen zurück zahlen, die sie aufgenommen habe um studieren zu können.
Vor einiger Zeit hatte ich Kontakt mit einer andern jungen Frau, die an der Luzerner FH Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Non-Profi-Organisationen studiert hat. Sie suchte längere Zeit vergeblich nach einer Stelle, trotz Abschluss mit Spitzennoten und bekam dann – dank ihrer Berufslehre als Polygraphin – ein Praktikum, gefolgt von einer zeitlich begrenzte Anstellung als Webmasterin in der Bundesverwaltung. Erst nach mehreren Jahren ohne niveaugerechter Tätigkeit hat sie nun, dank überzeugendem Auftreten, eine ihrer Ausbildung angemessene Stelle bei einer Stiftung erhalten.

Fachkräftemangel?

Viele junge Menschen suchen heute Arbeit, die sie als sinnvoll für die Umwelt, für die Menschen, für die Gesellschaft erachten. In diesen Bereichen herrscht kein Fachkräftemangel! Dies beweist auch der Lehrstellenmangel bei Pflegeberufen und der Numerus clausus der Fakultäten für Medizin und Tiermedizin.

Übrigens ein Überfluss, den neben Architekten, Beratungsbüros und Werbeunternehmen auch staatliche Stellen nutzen, um ihren Arbeitskräftebedarf budgetgünstig zu decken. Zulasten hochqualifizierte junger Erwachsener.