Eine Übungsfirma im 18. Jh. zur Ausbildung der Obrigkeit

Franz Kehl hat mich darauf aufmerksam gemacht: Im Bern des 18. Jh. gab es eine Art Übungsfirma (Lehrwerkstatt) für die Ausbildung der Stadtverwaltung, den „Äusseren Stand“. 1728 bis 1730 wurde dafür sogar ein Haus gebaut, das Rathaus an der Zeugenaussage 17. Hier ein Auszug aus der Darstellung dieser „Politischen Schule“, entnommen der Website des heute dort untergebrachten Restaurants (übrigens sehr zu empfehlen!):

„Der «Äussere Stand» war eine Vereinigung, die als Schattenstaat den «Inneren Stand», also die Obrigkeit der Republik Bern, imitierte.
Der Sinn dieser Einrichtung bestand darin, die jungen Bernburger vor ihrem eventuellen Eintritt in die Räte auf ihre Amtstätigkeit vorzubereiten. Der Aufbau des Äusseren Standes entsprach in allen Einzelheiten der Organisation der richtigen Staatsverwaltung, so dass Wahlvorgänge, Rechnungsablagen, politische Ansprachen, Gerichtstätigkeit und Bauverwaltung geübt werden konnten. In spielerischer Nachahmung wurden alle Ämter besetzt. An der Spitze stand der Schultheiss, der sowohl den Kleinen wie den Grossen Rat leitete. … Mit dem Bau eines eigenen Rathauses manifestierte sich der Äussere Stand mit einem eleganten Bauwerk im Stadtbild von Bern.“

Wir (Evi Schmid, Philipp Gonon und ich) haben der Simulation als Element der beruflichen Bildung in unserer neuen Darstellung der Berufsbildung in der Schweiz ein eigenes Kapitel gewidmet. Erstaunlich, wie hoch sie bereits im 18. Jh. in Bern entwickelt war!