Eine Berufslehre in klassischem Bühnentanz

Wer klassische Balletttänzerin oder Balletttänzer werden will, muss für den Abschluss einer anerkannten Berufsbildung nicht mehr ins Ausland. Die Tanz Akademie Zürich (taz), 2006 hervorgegangen aus der früheren Schweizerischen Ballettberufsschule (SBBS) Zürich, bietet interessierten jungen Menschen eine geregelte Ausbildung zum Bühnentanz bis Niveau EFZ (eidgenössisches Fähigkeitszeugnis).

Schwerpunkt der Ausbildung ist der «Klassisch Akademischer Tanz» in all seinen Facetten und mit seinem methodischen Aufbau (russische Waganowa- und Tarassow-Methode). Zusätzlich werden Moderner Tanz mit unterschiedlichen Basistechniken (z.B. Graham und Limón) sowie diverse zeitgenössische Tanzstile vermittelt. Die taz ist die bisher einzige Berufsfachschule für Bühnentanz in der Schweiz. Sie ist Teil der Hochschule der Künste Zürich.

 
Früh übt sich…

Wer professioneller Tänzer, professionelle Tänzerin werden will, sollte mit dem ernsthaften Training im Alter von etwa sieben Jahren beginnen. Die Mehrheit der Kinder hat bereits in Kinder-Ballettschulen erste Tanzerfahrung gesammelt. Für Kinder im Primarschulalter bietet die taz einen Vorstufen-Unterricht an. Die eigentliche Berufsausbildung beginnt mit dem Übertritt in die Sekundarstufe I (nicht Sekundarstufe II!). Wer das Aufnahmeverfahren besteht tritt in den „Grundkurs“ der Tanz Akademie ein. Zusammen mit einer Privatschule, den Lernzentren, absolvieren sie einerseits eine Tanzausbildung im Umfang von etwa neun Stunden wöchentlich und besuchen daneben den üblichen Unterricht der Oberstufe der Volksschule, was sowohl auf Niveau A wie B möglich ist.

Wer die nötigen Fortschritte macht und will, kann anschliessend in den dreijährigen Hauptkurs übertreten, der nach der eingangs erwähnten Verordnung geregelt ist und zum EFZ führt. Der Besuch von Berufsmaturitätsunterricht ist zurzeit (noch?) nicht möglich.

Die Ausbildung entspricht einer „schulisch organisierten Grundbildung“, im Vordergrund ist also das Training off the job. Die „Studios“, ausgerüstet mit Barren und der üblichen Spiegelwand, stellen einen „dritten Lernort“ dar. Die theoretische Ausbildung (Berufsfachschule) erfolgt ebenfalls an der taz. Sie umfasst Deutsch, Englisch und berufskundliche Fächer wie zum Beispiel Tanzgeschichte, Musiktheorie und -geschichte sowie Anatomie und Ernährungslehre. In den letzten Jahren der Ausbildung kommt das praxisorientierte Arbeiten mit Choreographen dazu. Dadurch sollen die Studierenden bestmöglich auf ihre Arbeit in der schweizerischen und internationalen Ballett- und Tanzszene vorbereitet werden. Zur Ausbildung gehören zudem regelmässige Auftritte vor Publikum, entsprechend der betrieblichen Ausbildung einer beruflichen Grundbildung.

Der Tanz Akademie ist ein Internat mit 40 Plätzen angegliedert, denn die Lernenden kommen aus der ganzen Schweiz, ja aus der ganzen Welt. Der Leiter Fachrichtung Tanz, Oliver Matz, berichtet, dass das Interesse von in der Schweiz lebenden Jugendlichen stark gestiegen ist, selbst bei Knaben. Die ca. 15 Plätze pro Jahrgang im Grundkurs sind deshalb umkämpft, das Niveau der Lernenden hoch, was sich mit guten Ergebnissen bei Wettbewerben wie zum Beispiel der Teilnahme am Prix de Lausanne auszahlt.

 
Solide Basis für das ganze Leben

Nach dem Erwerb des EFZ erhalten die meisten Tänzerinnen und Tänzer eine Anstellung in einer Ballett-Kompanie (ca. 85% Vermittlungserfolg), viele bei anerkannten Bühnen wie Stuttgart, Hamburg oder am Zürcher Opernhaus.

Oliver Matz, betont, dass es bei dieser Ausbildung nicht nur um eine künstlerische Ausbildung geht, sondern ähnliche Qualifikationen wie bei Leistungssportlern gefördert werden: Wille, Durchhaltevermögen, Schmerzresistenz usw. Deshalb komme auch kaum je ein Tänzer, eine Tänzerin „unter die Räder“. Und wenn die angestrebte Berufstätigkeit einmal nicht mehr möglich sei (in vielen Fällen endet die Tanzkarriere auf der Bühne bereits mit 30, spätestens mit 40 Jahren), gebe es weitere Karrieremöglichkeiten, beispielsweise die Weiterbildung zum Tanzpädagogen bzw. zur Tanzpädagogin.

Die Tanz Akademie Zürich ist zurzeit im Mediencampus in Zürich-Altstetten untergebracht. Ab 2012 bekommt sie grosszügige Räume am zukünftigen Hauptsitz der Hochschule der Künste im Toni-Areal, ebenfalls in der Stadt Zürich.

H.Neuhaus / E. Wettstein
(Informationen aus einem Besuch bei der taz)