Duales Studium: auch in der Schweiz nicht unbekannt

Das duale Studium, das in Deutschland grossen Zulauf erlebt, stellt eine Möglichkeit dar, jungen Leuten mit Matura eine Ausbildung ausserhalb der Universitäten anzubieten. Nach meiner Erfahrung tauchen solche Vorschläge immer dann auf, wenn der Anteil der Mittelschulabsolvent/innen ansteigt und die Bildungspolitik einen Akademiker-Überschuss und einen Mangel an praxisorientierten Führungskräften für die Wirtschaft befürchtet.
Die bekanntesten Einrichtungen sind die deutschen „Berufsakademien„, die auf einem Beschluss der Bund-Länder-Kommission aus dem Jahre 1973 basieren und wie beschrieben nun Hochschulen werden.

In der Schweiz bewirkte ein 1974 überwiesener Vorstoss im Zürcher Kantonsrat 1982 die Einrichtung des „Kaufmännischen Bildungsgang für Maturitätsschulabsolventen“ (KBM), heute unter dem Begriff «Postmaturitäre Wirtschaftsausbildung» (PWA) bekannt.

Basierend auf einem vom Amt für Berufsbildung Zürich und der Zürcher Gesellschaft für Personalfragen (Peter Benz, aKR) ausgearbeiteten Konzept, wurde an der an der  Kantonsschule Enge domizilierten „Kaderschule“ eine zweijährige Ausbildung, umfassend zwei dreimonatige Schulblöcke und eine 18 Monate dauernden praktischen Ausbildung in einer der beteiligen Firmen eingerichtet. Der Kurs stiess von Anfang an auf Interesse bei den Maturand/innen, dasjenige der beteiligten Unternehmen variierte je nach Konjunkturlage. Im Rahmen des Lehrstellenbeschlusses 2 wurde die Ausbildung 2001/02 überarbeitet.

Der KBM war der erste Ausbildungsgang ausserhalb der universitären Hochschulen, der sich ausschliesslich an Interessierte mit Maturität richtete. Daneben gab es aber seit den 80er Jahren viele weitere Angebote, vgl. die einschlägigen Publikationen der Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für akademische Studien- und Berufsberatung ab 1984. Inzwischen existieren ähnliche Einrichtungen wie die PWA auch in anderen Regionen der Schweiz, vgl. zum Beispiel das BIZ-Merkblatt „Direkter Berufseinstieg nach der Mittelschule“ des Kantons Bern.

Ein viel diskutiertes Thema im Zusammenhang mit den sog. postmaturitären Berufsausbildungen war immer die Aufnahme von Personen mit Mittelschulausbildung in die Fachhochschulen bzw. deren Vorgängerinnen (HTL, HWV etc.). Um sie als „Königsweg“ für Interessierte mit Berufsbildung zu bewahren, wird auch heute noch ein Vorpraktikum von einem Jahr Dauer verlangt. Vorstösse im Nationalrat, auch Praktika während oder gar nach dem FHS-Studium zuzulassen, wurden abgelehnt. Trotzdem gibt es sie heute bei einigen Studienrichtungen, zum Beispiel im Bereich Gesundheit an der ZHAW in Winterthur. Der Vorschlag von AVENIR SUISSE für ein duales Studium an den Schweizer FH sieht eine neue, dritte Möglichkeit vor, das Verhältnis von Studium und Praktikum zu regeln.