Die Zeiten ändern sich: UNESCO betrachtet „Berufsbildung als Schlüsselfaktor“

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich vergeblich versucht habe bei der UNESCO – zumindest bei ihrem Schweizer Ableger – Interesse für die Berufsbildung zu wecken. Sie würden sich auf Kultur und Allgemeinbildung konzentrieren. Mit Berufsbildung hätten sie nichts zu tun.

Nun gibt es also eine „Berufsbildungsstrategie für den Zeitraum 2016 bis 2021“, gemäss Meldung vor allem um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen, vorgestellt vom „UN-Zentrums für Berufsbildung (Unesco-Unevoc)“ im Bonn. Es ist dort am richtigen Ort, denn – so lese ich – „Das deutsche System der Berufsausbildung mit einer Kombination aus praktischem Lernen im Betrieb und theoretischer Unterweisung in der Berufsschule gilt als weltweit einzigartig.“

Im fühle mich wie damals auf der falschen Seite, denn ich schätze die Bedeutung eines bestimmten Bildungssystems etwas vorsichtiger ein. Weder wird ein Land allein durch die Berufsbildung reich noch kann allein damit die Jugendarbeitslosigkeit bekämpft werden. Leider ist die Welt etwas komplizierter: Für beides braucht es ein Bildungssystem mit mehreren guten Sparten und darüber hinaus eine Arbeitswelt mit bestimmten Merkmalen. Diese wiederum setzt neben einem guten Bildungssystem aber mindestens so sehr ein sicheres Rechtssystem und eine Bevölkerung voraus, die mit ihrer Arbeit dank anständiger Entlohnung und humanen Randbedingungen auf einen grünen Zweig kommt.

Übrigens gibt es eine Kombination „aus praktischem Lernen im Betrieb und theoretischer Unterweisung“ nicht nur in Deutschland.