Cido Aversano gestorben

Wenige Wochen nach Dr. Hans Budliger, ehemaliger Leiter der Kunstgewerbeschule Zürich, ist am 10. September auch Dr. Cido Aversano gestorben. Als Direktor der „Gewerbeschule Zürich“, damals der grössten Berufsschule der Schweiz, und dann bis 1987 als Direktor der Berufsschule I der Stadt Zürich hat er über Jahrzehnte die Entwicklung der Schweizer Berufsschulen mitgeprägt.Noch heute erinnern sich viele an den „Blauen Blick“, den er während fast 20 Jahren redigiert und herausgegeben hat. Offiziell hiess die Zeitschrift «Information/Gewerbeschule der Stadt Zürich», nach der Aufteilung dieser Schule «Information der Berufsschulen I–IV der Stadt Zürich». Sie war ein Schulblatt für die Mitarbeitenden der Berufsschulen der Stadt Zürich und enthielt u.a. amtlichen Mitteilungen. Ihre grosse Nähe zu den Zürcher Berufsschulen bewirkte, dass man sie lesen musste, wenn man wissen wollte, was an den Zürcher Berufsschulen geschah. Mit der Kantonalisierung der Berufsschulen wurde sie dann durch das „forum“ abelöst, für das ich zuständig war, weshalb mir Aversanos „Informationen“ in besonderer Erinnerung geblieben sind.

Dem Lebenslauf von C. Aversano entnehme ich einige weitere Hinweise. Nach einer Lehrtätigkeit in Deutsch und Geschichte an Maturitätsklassen des Instituts Montana Zugerberg übernahm C. Aversano 1952 einen Lehrauftrag an der mechanisch-technischen Abteilung der damaligen Gewerbeschule Zürich. 1964 wurde er zum Direktor der Gewerbeschule Zürich gewählt. Die Zentralschulpflege würdigte seine dortige Tätigkeit wie folgt: „Während der Amtszeit von Direktor Aversano fand ein grosser Umbruch im beruflichen Bildungswesen statt. Der berufskundliche und allgemein bildende Unterricht wurde ausgebaut sowie Freifächer, Stützkurse und Turnunterricht eingeführt. Unter seiner Leitung wurde die Berufsmittelschule geschaffen, Lebenskunde als Unterrichtsfach aufgenommen und ein pychologischer Beratungsdienst aufgebaut. Mit grossem Engagement übernahm er in den Schuljahren 1965 /66 bis 1976/77 zusätzlich die Leitung der Maturitätsschule für Berufstätige, an der er auch selbst unterrichtete. In der Folge setzte er sich auch unter anderem für die Einführung der Anlehre, die Ausbildung von Detailhandelsangestellten und die Schaffung einer Ausbildungsstätte für Medizinallaborantinnen ein.“

Er gehörte auch diversen eidgenössischen-, kantonalen und kommunalen Gremien an. Unter anderem war er 17 Jahre im Vorstand der Schweizerischen Direktorenkonferenz sowie in der Aufsichtskommission der Gehörlosenschule. Seit 1983 leitete er als Präsident die Diplomkommission für das höhere Lehramt des allgemein bildenden Berufsschulunterrichts an der Universität Zürich.

Einige weitere Hinweise geben alte Dokumente, die auch zeigen wie die 68-er-Vorgänge die Berufsbildung jener Zeit beeinflusst haben. So hat das FDP-Mitglied Aversano 1970 einen zweiten Schultag gefordert: Die ‚Vertechnisierung‘ der Berufe verlange eine bessere Ausbildung. Dazu genüge ein Tag Berufsschulunterricht nicht mehr. Als „vorläufiges Endziel“ forderte er – neben der 1970 eingeführten Berufsmittelschule – ein zweiter Schultag pro Woche. (Pressekonferenz 6.11.70).
Zwei Dokumente aus seiner Feder geben interessierten Einblick in sein Denken und dasjenige seiner Zeit, eine Stellungsnahme zu der Zürcher Volksabstimmung zur Einführung der Berufsmittelschule 1970 und ein 1968 gehaltener Vortrag zum „Berufsschulwesen heute und morgen„.