Im Bregenzerwald wurde eine neues Modell zur Ausbildung im Handwerk realisiert.

Der Begrenzerwald im Vorarlberg, bereits im Barock für seine Baumeister, Maler und Stuckateure bekannt, hat sich nach dem zweiten Weltkrieg zu einer Region entwickelt, in der eine Vielzahl von Betrieben Holzbau, Innenausbau und Möbelproduktion in bester Qualität produzieren und damit diesem Hügelland zwischen Rheintal und Bayern eine neue Blüte verschafften. Der „Werkraum Bregenzerwald“ in Andelsbuch, erbaut im Auftrag von 89 regionalen Handwerksfirmen und gestaltet von Architekt Peter Zumthor, Haldenstein, ist heute ein Wallfahrtsort für alle, die sich für anspruchsvolles Handwerk interessieren, vom Bauhandwerk bis zu Möbel-, Schmuck- und Textilgestaltung.

Da horcht man auf, wenn die Träger dieses Werkraums, zusammen mit den „Wirtschaftsschschulen Bezau“, einen Ausbildungsgang für Handwerkerinnen und Handwerker anbieten. Im September 2016 wurde der Unterricht mit 31 Schüler/innen aufgenommen. (Medienmitteilung)

Der Ablauf wird wie folgt charakterisiert:
1. Jahr: Handelsschule mit Entscheidung für ein Material, 25 Schnuppernachmittage sowie ein 4-wöchiges Praktikum in einem Werkraum-Mitgliedsbetrieb.
2. Jahr: Handelsschule mit Entscheidung für einen Beruf, 10-wöchiges Praktikum in einem Werkraum-Mitgliedsbetrieb.
3. Jahr: Abschluss Handelsschule und Entscheidung für einen Betrieb, Beginn des Lehrverhältnisses, verkürztes erstes Lehrjahr, Beginn des Berufsschulunterrichts
4. Jahr: Lehre, zweites Lehrjahr
5. Jahr: Lehre, drittes Lehrjahr mit Lehrabschlussprüfung

Die Ausbildung wird nach dem 8. Schuljahr aufgenommen, ein Jahr vor Ablauf des Schulobligatoriums.
Die handwerkliche Ausbildung kann in rund dreissig verschiedenen Berufen absolviert werden, unter anderem in Schreinereien im Metallbau, IT-Technik, Ofenbau, als Filzer/in, Koch/Köchin, Metzger/in.
Im Juni des 3. Schuljahres erfolgt ein fließender Übergang in ein Lehrverhältnis in dem der Lehrlingslohn bezahlt wird, der Schüler nicht mehr Schüler sondern Lehrling ist und auch die Berufsschule besucht.
Im Laufe der fünf Jahre werden mehrere Abschlüsse erworben: Lehrabschluss, Handelsschulabschluss inkl. der von der Gewerbeordnung verlangten Unternehmerprüfung, allenfalls auch die Berufsmatura, die ja in Österreich auch eine Zulassung zu den Universitäten darstellt.
Der Lehrgang ist kostenlos, da der Schulunterricht an öffentlichen Schulen stattfindet.

werkraumschule-logo
Quellen:
Köbi Gantenbein: Werkraum, Haus, Schule. IN Hochparterre 9/16
Florian Eicher und Renate Breuß: eigen+sinnig. Der werkraum bregenzerwald als Modell für ein neues Handwerk, München (oekom) 2005
sowie die oben verlinkten Websites und Unterlagen sowie eine Mitteilung von Susanne Schedler, Werkraum Bregenzerwald.

 

UPDATE (8. Dez. 2016)

Werkraum Bregenzerwald von UNESCO ausgezeichnet
Der Werkraum wurde gemeinsam mit zwei weiteren Handwerkszentren in Oberösterreich, dem Textilzentrum Haslach und dem Hand.Werk.Haus in Bad Goisern, in das internationale „Register guter Praxisbeispiele für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen. (Quelle)

Grossmehrheitlich englischsprachige Berufslehren für Kaufleute und Informatiker

Ab Sommer 2015 wird die Berufsbildung im Kanton Zug durch zwei neue Angebote ergänzt. Motivierte Jugendliche können die kaufmännische Lehre oder eine Lehre im Bereich Informatik bald zum Grossteil in Englisch absolvieren.
Im kaufmännischen Bereich und in der Informatik entstehen als Zuger Pilotprojekt eidgenössisch anerkannte Berufslehren, die an allen drei Lernorten grossmehrheitlich in englischer Sprache durchgeführt werden.
Wie wird wohl das Qualifikationsverfahren gestaltet, das in einer Landessprache durchgeführt werden muss?
Mehr zu diesem Pilotversuch: Website des Kantons Zug

Förderung von Leistungsstarken in Deutschland: AusbildungPlus

Die „Duale Berufsausbildung mit Zusatzqualifikationen“ soll die Berufslehren für leistungsstarke Lernende attraktiver machen. Herzstück ist die Datenbank „AusbildungPlus“ des BIBB – beruhend auf freiwilligen Anbieterangaben. 2013 waren in der Datenbank rund 2.300 Zusatzqualifikationen mit insgesamt rund 85.000 teilnehmenden Auszubildenden verzeichnet. Zusatzqualifikationen richten sich an Jugendliche, die ihre duale Berufsausbildung durch Inhalte ergänzen möchten, die über die Mindestanforderungen der Ausbildungsordnung hinausgehen oder branchenspezifische Qualifikationen abdecken, zum Beispiel „Fachberater/-in für den fairen Handel“ (Dauer: 120 Stunden) für angehende Einzelhandelskaufleute und Verkäufer/-innen oder „Betriebsassistent/-in im Handwerk“ (500 Stunden) für Handwerker.

Kritik an der praktischen Ausbildung nach INSOS

An einer Tagung der SGAB am 30. März 2011 sprach Jürg Jegge unter anderem von Abschlussmöglichkeiten für Schwache. Er lobte das neue BBG und hob hervor – etwas was ich bisher übersehen habe – dass Jugendlichen, die das Qualifikationsverfahren für den EBA-Abschluss nicht bestehen, einen „Kompetenznachweis“ ausgestellt werden könne. Er zieht diese Möglichkeit der Praktischen Lehre gem. INSOS vor, weil diese „invalidisiere“. Im übrigen sprach er von der „Vitalstärke“, die Kindern und Jugendlichen mit schlechten Voraussetzungen ermöglichen würde, Erfolg in Ausbildung und Leben zu haben. Dies ist ein Resilienz-Faktor, der vielleicht zu wenig Beachtung findet.
Nachtrag: In BBG und BBV ist der „Kompetenznachweis“ nicht zu finden.
„Kritik an der praktischen Ausbildung nach INSOS“ weiterlesen

Anforderungen steigen. Mehr als notwendig?

Lehrbetriebe und Berufsverbände weisen zu recht darauf hin, dass die Anforderungen an die Arbeitenden steigen und deshalb auch Lehrstellenbewerber/innen höheren Anforderungen genügen müssen als früher. Dies
ist sicher richtig. Trotzdem darf gefragt werden, ob nicht gelegentlich mehr verlangt wird als unbedingt notwendig.
„Anforderungen steigen. Mehr als notwendig?“ weiterlesen

Mit der Berufsmaturität in die Universität

Die Hochschule Liechtenstein wird zur Universität, so ist der NZZ vom 11. Juni 2010 zu entnehmen. Da interessiert natürlich, was das für Ostschweizer/innen mit einer Berufsmaturität bedeutet, von denen viele in Vaduz Architektur, Informatik oder einen der wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge besuchen. „Mit der Berufsmaturität in die Universität“ weiterlesen

Deutschland: Lernende wollen anpacken

Eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) kommt zum Schluss, dass Lernende „richtig anpacken“ wollen. Sie wünschen eine intensive Einbindung in das Betriebsgeschehen, wollen „echte Arbeit“ leisten und auch bei grösseren Aufgaben mit einbezogen werden. Dafür sind sie auch bereit, Verantwortung zu tragen oder Überstunden auf sich zu nehmen.
[Mehr|http://www.bibb.de/de/wlk29213.htm]

Hochbegabte: Manche verlieren in der Berufsbildung ihren Vorsprung

In der Berufsbildung führt Intelligenz alleine nicht zum Erfolg. Ohne eine gute Motivation und ein förderndes Umfeld ist keine Leistungsexzellenz möglich. Die Studie „Hochbegabt und nur Lehrling?“ zeigt, dass viele hochbegabte Jugendliche ihren „Vorsprung“ im Laufe der Lehre einbüssen. Margrit Stamm, die Autorin der Studie, fordert eine Begabtenförderung im Duopack: die Etablierung von Fördermassnahmen in Lehrbetrieben und Berufsfachschule.
Mehr in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Panorama
Bezug des Heftes und Abonnentmentsbestellungen: www.panorama.ch
(PANORAMA.aktuell 7.7.2009)

LU: Die Berufsmatura soll für leistungsstarke Jugendliche attraktiver werden

Der Kanton Luzern will die Attraktivität der Berufsmatura für leistungsstarke Jugendliche fördern. Ab Schuljahr 2010 sollen zusätzliche Ausbildungsrichtungen angeboten werden um begabte Jugendliche vermehrt in die Berufsbildung zu holen.
Mehr Infos hier .
(PANORAMA.aktuell 19.6.2009)

LU: Leistungsstarke sollen besser gefördert werden

Der Kanton Luzern hat eine Reihe von Massnahmen zur Förderung von talentierten Jugendlichen in der Berufsbildung vorgestellt. So erhalten die Instruktoren von überbetrieblichen Kursen sowie die Ausbildungsbetriebe einen Beobachtungsbogen, um Talente besser zu erkennen. Der Bogen soll später durch ein Diagnose-Tool ergänzt werden. Auf schulischer Ebene will der Kanton bestehende Angebote wie den bilingualen Unterricht ausbauen. Lehrbetriebe, die sich besonders für die Förderung leistungsstarker Lernender einsetzen, können sich um das Label „Wir investieren in Talente“ bewerben.
Mehr
(PANORAMA.aktuell 23.6.2009)

Breisacher Stiftung: Prämien für leistungsstarke Lernende

Die Breisacher Stiftung hat zum Ziel, junge Menschen für starke schulische und handwerkliche Leistungen zu belohnen. So werden in den Kantonen Ob- und Nidwalden im Jahr 2009 rund 70’000 Franken und ab 2010 sogar 140’000 Franken an Prämien für die erfolgreichsten Lehrabschlüsse der handwerklichen Berufe ausbezahlt. Die Stiftung bezweckt mit diesem Preis das Handwerk in der Zentralschweiz zu fördern und Jugendliche zu fachmännischen Höchstleistungen zu motivieren.
(PANORAMA.aktuell 12.5.2009)