Im Kanton Thurgau entsteht eine rechtliche Grundlage für niederschwelliges Ausbildungsangebot im ersten Arbeitsmarkt.

Im April 2013 verlangte der Thurgauer Kantonsrat Roland A. Huber in einer Motion im Grossen Rat des Kantons die „Schaffung der gesetzlichen Grundlage für ein niederschwelliges Berufsausbildungs-Angebots“. Der Vorstoss wurde im Februar 2014 als erheblich erklärt und am 27. Oktober 2015 schlug der RR dazu dem KR eine Änderung des Gesetzes über die Berufsbildung und die Mittelschulen vor:

Kantonales Ausbildungsattest
1 Das kantonale Ausbildungsattest ist eine niederschwellige Grundbildung im ersten Arbeitsmarkt zur Erlangung von fachlichen Grundfertigkeiten für Personen mit Wohnsitz im Kanton Thurgau.
2 Die Ausbildung zum Erhalt des kantonalen Ausbildungsattests dauert zwei Jahre. Vier Tage pro Woche werden im Ausbildungsbetrieb geleistet, ein Tag an einer kantonalen Berufsfachschule.
3 Das kantonale Ausbildungsattest enthält einen Kompetenznachweis der fachlichen Fähigkeiten sowie ein Abschlusszeugnis der Berufsfachschule.
4 Grundlage bildet ein schriftlicher, vom Kanton zu genehmigender Ausbildungsver- trag mit einem Ausbildungsbetrieb mit Bildungsbewilligung.

Seitens der SVP wurde mit folgender Begründung ein Verzicht auf ein kantonales Ausbildungsattest verlangt:

Die Einführung eines kantonalen Ausbildungsattestes macht deshalb aus vier Gründen keinen Sinn:
1. Weil mit der zweijährigen Grundbildung mit EBA eine gute Alternative geschaffen wurde, die für ein gleichbleiendes, auf dem Arbeitsmarkt nachgefragtes Niveau sorgt.
2. Weil das Gesetz über die Berufsbildung heute schon Massnahmen zur Unterstützung vorsieht.
3. Weil Jugendliche ihre Kompetenzen bald auch individuell bescheinigen lassen können.
4 Weil das Gewerbe, die Industrie und die Branchenverbände keine kantonalen „Berufs-Züglein“ wollen. Dies zugunsten der Jugendlichen und der Unternehmungen. Diese Basis gilt es zu respektieren.

Diesem Antrag wurde mit Stichentscheid des Präsidenten zugestimmt.

In der zweiten Lesung am 20.4.16 wurde der Entwurf zur Überarbeitung an den RR zurück gewiesen, mit dem Auftrag, den aufgeworfenen Fragen im Zusammenhang mit der beruflichen Qualifizierung von weniger leistungsfähigen Jugendlichen nachzugehen. Am 16.8.16 legte der RR eine umfangreiche (und lesenswerte!) Ergänzung seiner Botschaft vor, in dem er ausführlich auf rechtliche Grundlagen und auf das Bildungssystem eingeht und als Lösungsansatz den „Individuellen Kompetenznachweis für Jugendliche, die keinen eidgenössischen Berufsabschluss erlangen (IKN)“ beschreibt. Er schlägt nun vor, das Gesetz über die Berufsbildung und die Mittelschulen wie folgt zu ergänzen:

Für leistungsschwache Jugendliche mit Wohnsitz im Kanton Thurgau kann der Kanton ein niederschwelliges Ausbildungsangebot im ersten Arbeitsmarkt vorsehen. Der Regierungsrat regelt die Einzelheiten.

Fortsetzung folgt wohl demnächst …
(Dieser Link zeigt die Übersicht über den Ablauf der Verhandlungen.)

Das Handwerk Deutschlands setzt auf Studienabbrecher

Deutsche Berufsverbände des Handwerks haben die Studienabbrecher als Nachwuchsquelle entdeckt. Dazu setzen sie auf das vom Schweizer Gewerbe abgelehnte Duale Studium. Dazu zitiert die Deutsche Handwerks-Zeitung eine neue Studie:

Rund ein Drittel der Studierenden zweifelt daran, dass sie ihr derzeitiges Studium erfolgreich abschließen werden. Für fast 30 Prozent von ihnen ist eine Ausbildung im dualen System eine attraktive Alternative, falls sie ihr Studium abbrechen. Dies sind Ergebnisse einer Studierendenbefragung der Universität Maastricht in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zur Attraktivität der Berufsbildung, vgl. die diesbezügliche Meldung.

Berufsbildung für Erwachsene

Seit bald zehn Jahren beschäftigen wir uns mit der Berufsbildung für Erwachsene. Seit einiger Zeit ist das Projekt „ZweiteChance“ unser wichtigstes Arbeitsgebiet. Es befasst sich mit der Förderung der über 600’000 Einwohner/innen der Schweiz im Alter von 25 bis 64 Jahren, die nach der obligatorischen Schulzeit keine weitere Ausbildung abgeschlossen haben.
Ich werde in Zukunft in diesem Blog immer mal wieder auf Resultate aus diesem Projekt hinweisen und über Vorkommnisse orientieren,die sich mit der Thematik befassen.

2015 haben wir unter anderem folgende Recherchen abgeschlossen und auf der Website der Firma publiziert:

Ein erfolgreiches Modell aus Österreich: «Du kannst was!»
Die Entwicklung und der heutige Stand der rechtlichen Grundlagen der Berufsbildung für Erwachsene
Das einschlägige Angebot von Hotel&Gastro formation Schweiz
Warum Berufsbildung für Erwachsene? Ein Argumentarium
An wen richtet sie sich? Wichtige Zielgruppen einer Förderung
Eidgenössisch anerkannte Abschlüsse (EFZ, EBA) sind nicht die einzigen Möglichkeiten beruflich voranzukommen: Alternativen
Berufsbildung für Erwachsene im Detailhandel
Vorbildliche Angebote im Kanton Solothurn
Validierungsverfahren – eine Erfolgsgeschichte (Informatikerin EFZ)

UPDATE:
Weitere Darstellungen finden Sie unter www.ZweiteChance/Angebote

Eine Generation im Zaudermodus

„Dreissig zu werden, heisst heute vor allem zu erkennen, dass Verheissungen sich nicht erfüllt haben.“ schreibt der 30-jährige Tomasz Kurianowicz in der NZZ:
„29 zu sein fühlt sich so an wie ein Sonntagmorgen nach einer durchfeierten Samstagnacht. Man inhaliert noch das Gefühl der Unbeschwertheit, der Freiheit, der nie versiegenden Jugend – und zugleich ahnt man schon, dass sich der Montag langsam in die Woche schleicht. …
Das Wochenende verblüht schnell. Mit dem Leben verhält es sich nicht unähnlich. Man ist zwanzig, geht in eine beliebige Grossstadt studieren, hat sich vorher so seine Phantasien zurechtgelegt – wie es ist, auf sich allein gestellt zu sein, sich zu verlieben, sich zu trennen und wieder zu verlieben, sich ins offene Leben hineinzuwerfen, Entscheidungen zu treffen, Wurzeln abzuschneiden und neue zu schlagen. Und dann merkt man, dass das naive Lebensgefühl ziemlich schnell verfliegt …
Und dann kommt der Schock. Der Schock um die Erkenntnis, dass die Zeit abläuft. Dass man falsche Entscheidungen getroffen hat. Dass man jemand ist, der man nicht werden wollte und dass man nicht jeder werden kann.

… darum brauchen wir eine Berufslehre für Errwachsene, eine die sie echt ergreifen können, eine echte ZweiteChance. Der Text – und die 32 Kommentare, die bisher dazu publiziert wurden, geben uns einen Eindruck von der Befindlichkeit und damit von den Bedürfnissen der „Generation im Zaudermodus“.

Warum besteht jeder die theoretische Fahrprüfung?

Gunter Dueck, während langen Jahren im oberen Kader von IBM tätig und nun viel gefragter Management-Trainer, beschäftigt sich wieder mal mit dem Bildungswesen. Er frägt: „Warum besteht absolut jeder die theoretische Führerscheinprüfung?“ und antwortet: „Weil er WILL – denn es hat Sinn und nützt.“

Daraus leitet er die Forderung ab, die wissenschaftliche Struktur unserer Lehrpläne zugunsten von „Möglichkeit, leidenschaftliches Interesse zu wecken,“ ein bisschen aufzugeben. (Mail vom 3. Dez. 12) In seinem Text zum Thema führt er dann aus:

„Jeder lernt gern, wenn eines oder mehreres vom Folgenden zutrifft:
– Das Gelernte nützt und hilft weiter
– Das Gelernte fesselt die Aufmerksamkeit oder macht Freude oder Spaß
– Das Gelernte eröffnet eine neue Welt des Interesses

Das Problem scheint zu sein, dass ‚da kein System dahinter steckt‘, sonst könnten wir danach vorgehen. Unsere Erziehungssysteme tendieren aber immer mehr dazu, den Erziehungsprozess zu systematisieren und letztlich zu industrialisieren.“

Mir leuchten seine Überlegungen ein, vor allem auch seine im erwähnten Text geäusserten Gedanken, weshalb denn systematisiert wurde und wird. Mit der Einführung von ‚Standards‘ bestimmt immer mehr ein vorgeschriebener Kanon das Lernen und nicht das Interesse der Lernenden.

In der beruflichen Grundbildung galt während Jahrzehnten der Grundsatz, dass im Betrieb gelehrt und gerlernt wird, was bei einer konkreten Aufgabe ’nützt und weiter hilft‘. Seit einigen Jahren wird versucht, detailliert zu erfassen und festzuhalten, welche Qualifikationen ’nützen und weiter helfen‘. Diese werden dann – möglichst systematisch – vermittelt. Gut gemeint – aber damit entsteht auch hier ein Kanon, ein System, bei dem nicht mehr ‚leidenschaftliches Interesse geweckt, sondern die Erfüllung von Vorgaben im Vordergrund steht.

Auch betriebliche Ausbilder müssen immer mehr ‚motivieren‘, was Lehrpersonen seit Jahrzehnten tun, um die Lehrpläne zu erfüllen.

Die Anlehrwerkstätte der BBC – ein Stück Industrie-, Sozial- und Bildungsgeschichte

Lehrwerkstätten werden von vielen Beurfsbildner/innen als Gefahr für die Betriebslehre und/oder als Versuch der Linken aufgefasst, die Berufsbildung zu verstaatlichen. Dabei wird vergessen, dass die Mehrzahl der Lehrwerkstätten von Unternehmen aufgebaut wurden, wenn sie auch heute meist Teil von Ausbildungsbverbünden sind.

Eine besondere Lehrwerkstätte war die Anlehrwerkstätte von Brown Boveri in Baden, gedacht als Instrument zur Anlernung von Ausbildungslosen, vor allem im Zusammenhang mit der Anwerbung von Arbeitern in Italien. Ich bin in den Besitz einer schwer zugänglichen Darstellung dieser Werkstätte gekommen, seinerzeit publiziert in der Personalzeitschrift der BBC. Ich publiziere sie hier um sie leichter zugänglich zu machen.

Wie dem Aufsatz zu entnehmen ist, wurde die Werkstätte 1963 gegründet. Wann sie geschlossen wurde, weiss ich nicht. Als ich anfangs der 70-er Jahre in der BBC arbeitete, existierte sie noch.

Nebenbei: die Lehrwerkstätten, die nicht von Grossunternehmen geschaffen wurden, sind zu einem schönen Teil Gründungen von Gewerbeverbänden mit dem Ziel, der Betriebslehre durch die Ausbildung von Ausbildern („Lehrmeistern“) neuen Schwung zu vermitteln. Der Münchner Berufspädagoge Georg Kerschensteiner hat dies im Zusammenhang mit den Berner Lehrwerkstätten sin einem Bericht über die Lehrlingsausbildung in der Schweiz beschrieben.

Die Jugend wird immer schlimmer – schon immer

Dies ist der gelungene Titel eines umfangreichen Essays des Schriftstellers und Berufsschullehrers Jürg Meier, genannt Jürgmeier, publiziert im Infosperber vom 15. Februar 2012. Der etwas aussschweifende Text enthält viele schöne Beispiele zur Auffassung, dass die heutige Jugend nicht mehr ist, was sie mal war.

Gutes Material für Vorträge und Diskussionen mit der Generation, die noch in der guten alten Zeit jung war. Ein weiteres schönes Beispiel habe ich selbst kürzlich publiziert.

1500 aus der Sozialhilfe in eine Lehre gebracht.

„Wir haben durch die Änderung der finanziellen Anreize 1500 junge Erwachsene aus der Sozialhilfe in eine Lehre gebracht.“ erklärt Bundesratskandidat Pierre-Yves Maillard in einem Interview im TA, 25. November 2011.
Er spricht vom Projekt FORJAD, wahrlich einer vorbildlichen Leistung: Unter bestimmten Bedingungen erhalten Personen zwischen 18 und 25 Stipendien statt Sozialhilfe und so die Möglichkeit, eine berufliche Grundbildung nachzuholen. 10 Gesetze und Verordnungen mussten dazu geändert werden. Erfolgreich gelöstes Hauptproblem: Stipendien werden vom Kanton vergeben, Sozialhilfe von den Gemeinden.
Mehr dazu: Abklärungen und Bericht über unsere Veranstaltung, druchgeführt zusammen mit VALIDA im Rahmen des Projekts „Zweite Chance„.

Misst PISA Qualifikationen oder Motivationen?

Dieser Tage habe ich sie wieder einmal gehört, die Klage über die ungenügenden Deutsch- und Rechenkenntnisse (60%), die – gemäss PISA – so weit gehen, dass eine rechte Minderheit (17%) nicht in der Lage ist, einen einfachen Text zu lesen und zu verstehen.

Ich erinnere mich dann jeweils an einen Besuch in einer geschützten Werkstätte vor einigen Jahren. Sie beschäftigte Erwachsene mit so geringer Intelligenz, dass sie in der freien Wirtschaft keine Arbeit fanden. Viele von ihnen fuhren mit dem eigenen Auto zur Arbeit. Ja, sehr viele der Beschäftigten hätten die Fahrprüfung abgelegt, erfuhr ich von der Leitung der Werkstätte.

Wenn die Motivation gross genug ist, dann sind plötzlich Leistungen möglich, die man nicht erwartet. Und umgekehrt. Wie kämen wohl die PISA-Tests heraus, wenn der Erwerb der Fahrerlaubnis von den dort gezeigten Leistungen abhängen würde? Wir gehen bei Tests immer davon aus, dass sie zeigen, was jemand kann. Vielleicht misst PISA weniger die Lesefähigkeit als die Bereitschaft, sich unfreiwillig testen zu lassen. Wie kämen wohl die PISA-Tests heraus, wenn von den dort gezeigten Leistungen der Erwerb der Fahrerlaubnis abhängen würde?

Eigentlich wissen wir es seit langem: Eine Leistung ist nicht nur von den Qualifikationen sondern auch von der Motivation eines Menschen abhängig. Wir gehen bei Tests immer davon aus, dass sie zeigen, was jemand kann. Vielleicht zeigen sie manchmal eher, was jemand können will. Die Annahme, dass jeder Prüfling sein Bestes gibt, wenn er aufgefordert wird, sich einem Test zu unterwerfen, muss hinterfragt werden.

Update
In der „NZZ am Sonntag“ vom 29. Januar zitiert Prof. Thomas Jahnke, ein Kritiker der PISA-Tests, Joachim Wuttke: „Allein schon unterschiedliche Schülermotivation kann, amerikanischen Studien zufolge, mit 50 oder mehr Punkten durchschlagen“, entsprechend dem Lernfortschritt von zwei Schuljahren. „In Seoul wird vor der Testung die Nationalhymne gesungen; in Hamburg geben die ersten Schüler nach fünf Minuten ab.“ (NZZaS, 29. Januar, S. 60)

Update 2
In einem Blog-Post von Nik Ostertag (Link leider nicht mehr gültig) habe ich eine interessante Betrachtung gelesen, wie Jugendliche reagieren, wenn sie ein Formular auszufüllen haben. Dürfte auch für Fragebogen zutreffen!

Förderung von Erwachsenen ohne Sek.II-Abschluss mit Bildungsgutscheinen

Im Rahmen eines Pilotprojektes des Kantons Fribourg erhalten Personen über 25 ohne Abschluss der Sekundarstufe II Beiträge an die Weiterbildungskosten. „Förderung von Erwachsenen ohne Sek.II-Abschluss mit Bildungsgutscheinen“ weiterlesen

Neues Bildungsangebot für Strafgefangene

Seit Jahrzehnten wurde Strafgefangenen angeboten, eine Anlehre oder Berufslehre zu absolvieren. Nun wird ein neuer Anlauf genommen, ausgerichtet auf die Vermittlung von Grundfertigkeiten in Rechnen, Lesen und Schreiben.

„Neues Bildungsangebot für Strafgefangene“ weiterlesen

Vorlehre für Erwachsene

Die „Vorlehren E“ im Kanton Bern richten sich an Erwachsene ohne berufliche Grundbildung, ab 20 Jahren. Zielsetzungen sind der Anschluss an eine
berufliche Grundbildung (z.B. Förderung der schulischen und sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten) bzw. die Vermittlung einer Lehrstelle. Dauer: 1 Jahr; in Bern durch die BFF und in Thun durch die GIBT
Mehr: www.bffbern.ch

Dieses Angebot ist meines Wissens einmalig in der Schweiz.

Quelle: Projekt „KoBra“: Schlussbericht Vorprojekt I 21.12.10, S. 51

Skos: Fokus auf Erwachsene ohne Ausbildung

Über die Hälfte aller Sozialhilfe-Bezüger/innen hat keine nachobligatorische Ausbildung absolviert. Fehlende Bildung ist somit klar ein Armutsrisiko. Im Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung 2010 stehen Bildungsfragen deshalb bei der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos) zuoberst auf der politischen Agenda. Ein besonderes Augenmerk gilt für einmal nicht den Jungen, sondern den Erwachsenen in der Sozialhilfe. Die Skos stellt das Thema in den Mittelpunkt ihrer diesjährigen Mitgliederversammlung, die am 27. Mai in Bern stattfindet.

(VM, Panorama.aktuell)

BS: Jungen Müttern eine Grundausbildung ermöglichen

(dh) Junge Frauen, die noch vor Abschluss einer beruflichen Grundbildung Mutter werden, haben es oft schwer, auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Das schweizweite Projekt AMIE ermöglicht jungen, allein erziehenden Frauen den Einstieg in eine Erstausbildung. Zurzeit läuft der dritte Durchgang mit 19 Teilnehmerinnen. Das Projekt basiert auf einer Zusammenarbeit des Gewerbeverbands Basel-Stadt, der Sozialhilfe Basel-Stadt und des Basler Frauenvereins. In der Stadt Basel gibt es rund 130 Mütter zwischen 16 und 25 Jahren, die von der Sozialhilfe leben und keine berufliche Erstausbildung haben.
(Panorama.aktuell)

Nachholen einer Berufsausbildung: Förderung durch das ALV

Im Rahmen der Stellungnahme zur Motion 09.4257 (NR Marra Ada) stellt der Bundesrat fest:

„Hat eine über 30-jährige arbeitslose Person keine Ausbildung oder erhebliche Schwierigkeiten, im erlernten Beruf eine Stelle zu finden, kann die ALV eine nachobligatorische Berufsbildung unterstützen. Die Hilfe erfolgt in Form von Ausbildungszuschüssen. Seit Anfang 2009 sind diese keinem finanziellen Plafond mehr unterstellt und dürften in Zukunft vermehrt gewährt werden. Die berufliche Grundbildung und die Förderung der berufsorientierten Weiterbildung sind jedoch nicht primär Sache der Arbeitslosenversicherung. Ihre Rolle in diesen Bereichen ist eine subsidiäre.“

Die Aufhebung der Obergrenze ist für mich neu und erlaubt nun, jemandem das Nachholen einer Berufslehre zu ermöglichen, auch wenn er bereits Unterhaltspflichten zu erfüllen hat. … Sofern die zuständige kantonale Behörde einem Gesuch zustimmt. In der Vergangenheit war von dieser Seite mehr Vorbehalte festzustellen als von Seiten des seco.

GE: Unterstützung für Ausbildungsabbrecher und Jugendliche ohne Abschluss

Seit drei Jahren verfolgt der Kanton Genf eine neue Politik zugunsten von Ausbildungsabbrechern. Im September wird das Hilfsprogramm „Encouragement à la qualification et à l’insertion professionnelle“ (EQUIP) (Förderung von Berufsqualifikation und Wiedereinstieg) in die operative Phase treten. Es bezweckt, Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren ohne Abschluss sowie Ausbildungsabbrecher aus der Sozialhilfe und der Arbeitslosigkeit herauszuführen. Es beabsichtigt auch, das Vorgehen der interinstitutionellen Partner bezüglich dieser auf rund 1500 junge Erwachsene geschätzte Bevölkerungsschicht besser zu koordinieren.

Weitere Informationen: Grégoire Evéquoz, directeur général de l’OFPC, 022 388 44 25, gregoire.evequoz@etat.ge.ch
(PANORAMA.aktuell 25.8.2009)

NE: Kanton will Erfolg in der Ausbildung fördern

Das Bildungs-, Kultur- und Sportdepartement ergreift Massnahmen, um die
Repetitionsquoten im obligatorischen Schulwesen sowie auf der Sekundarstufe
2 zu verringern. Repetitionen sind wenig effizient und kostspielig. Die
Wirksamkeit wird heute sowohl von Forschern, den Schulverantwortlichen und
den Lehrern in Frage gestellt. Auf der Sekundarstufe 2 beläuft sich die
Misserfolgsrate resp. die Abgangsrate am Ende des ersten Gymnasiumsjahres
auf 27%. Bei den Lehrabschlussprüfungen beträgt diese gegen 15%. Aus diesem
Grunde wird der „Service de la formation professionnelle et des lycées“
(SFPL) (Dienststelle für Berufsbildung und Gymnasien) ab 2010 im Herbst eine
Nachhilfesession für jene Kandidat/innen organisieren, die knapp gescheitert
sind.
Pressemitteilung
Weitere Informationen: Jacques-André Maire, chef du SFPL, JacquesAndre.Maire@ne.ch
(PANORAMA.aktuell 25.8.2009)

Sozialhilfe: Hohes Risiko bei Jugendlichen ohne Ausbildung

Gut die Hälfte der 18- bis 25-Jährigen, welche Sozialhilfe beziehen, verfügt über keinen nachobligatorischen Bildungsabschluss und ist nicht in Ausbildung. Das Bundesamt für Statistik (BFS) stellt zudem fest, dass ein Sechstel der unterstützten jungen Erwachsenen bereits Kinder hat, für die sie sorgen müssen.
Pressemitteilung , vgl. auch PANORAMA.aktuell 09/11
(PANORAMA.aktuell 23.6.2009)