Viele berufliche Tätigkeiten erfordern eine zertifizierte Ausbildung. Die Notwendigkeit solcher Regelungen soll untersucht werden.

In einem Postulat weist NR Philippe Nantermod darauf hin, dass die Ausübung mancher Berufe durch Vorschriften bezüglich der nötigen Ausbildung eingeschränkt wird. Er äussert die Vermutung, dass dies nicht immer gerechtfertigt sei, sondern der Einschränkung der Konkurrenz diene.

Der Bundesrat weisst in seiner Stellungnahme darauf hin, dass die Wirtschaftsfreiheit in der Bundesverfassung verankert ist (Art. 27) und deren Einschränkung nur zulässig ist, wenn sie durch ein öffentliches Interesse oder durch den Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt ist (Art. 36 Abs. 2 BV). Die Bundesverwaltung führt ein Verzeichnis „der Bewilligungen und reglementierten Berufe in der Schweiz“, das gegenwärtig 453 Bewilligungen, basierend auf Bundesrecht, 286 basierend auf kantonalem Recht und 3237 Bewilligungen durch Gemeinden aufzählt. Sehr viele betreffen nicht die Ausbildung, sondern beispielsweise Öffnungszeiten oder die Einschränkung der Benutzung von öffentlichem Grund. Alternativ oder kumulativ können beispielsweise auch bestimmte Berufsqualifikationen, eine Eintragung in einem Register, eine Haftpflichtversicherung oder ein Leumundszeugnis verlangt werden.
Eine wichtige Quelle zur Frage, welche Qualifikationen verlangt werden, ist auch eine vom SBFI im Rahmen des Freizügigkeitsabkommens geführte Liste der Berufe, für die spezifische Berufsqualifikationen erforderlich sind (www.sbfi.admin.ch/diploma > reglementierte Berufe).
Zur Vermutung, dass manche Vorschriften eher aus korporatistischen Überlegungen eingeführt wurden, schlägt der Bundesrat vor, einen Bericht zu erarbeiten, der die verschiedenen Bedingungen betreffend Ausbildung und Berufsausübung sowie die Entwicklungen der letzten Jahre erfasst und analysiert, auf welches öffentliche Interesse sich die Reglementierungen stützen, und darauf aufbauend zu prüfen, ob weitere Massnahmen angezeigt sind.
Es ist noch offen, ob das Parlament diese Anregung aufnimmt.

Im Bregenzerwald wurde eine neues Modell zur Ausbildung im Handwerk realisiert.

Der Begrenzerwald im Vorarlberg, bereits im Barock für seine Baumeister, Maler und Stuckateure bekannt, hat sich nach dem zweiten Weltkrieg zu einer Region entwickelt, in der eine Vielzahl von Betrieben Holzbau, Innenausbau und Möbelproduktion in bester Qualität produzieren und damit diesem Hügelland zwischen Rheintal und Bayern eine neue Blüte verschafften. Der „Werkraum Bregenzerwald“ in Andelsbuch, erbaut im Auftrag von 89 regionalen Handwerksfirmen und gestaltet von Architekt Peter Zumthor, Haldenstein, ist heute ein Wallfahrtsort für alle, die sich für anspruchsvolles Handwerk interessieren, vom Bauhandwerk bis zu Möbel-, Schmuck- und Textilgestaltung.

Da horcht man auf, wenn die Träger dieses Werkraums, zusammen mit den „Wirtschaftsschschulen Bezau“, einen Ausbildungsgang für Handwerkerinnen und Handwerker anbieten. Im September 2016 wurde der Unterricht mit 31 Schüler/innen aufgenommen. (Medienmitteilung)

Der Ablauf wird wie folgt charakterisiert:
1. Jahr: Handelsschule mit Entscheidung für ein Material, 25 Schnuppernachmittage sowie ein 4-wöchiges Praktikum in einem Werkraum-Mitgliedsbetrieb.
2. Jahr: Handelsschule mit Entscheidung für einen Beruf, 10-wöchiges Praktikum in einem Werkraum-Mitgliedsbetrieb.
3. Jahr: Abschluss Handelsschule und Entscheidung für einen Betrieb, Beginn des Lehrverhältnisses, verkürztes erstes Lehrjahr, Beginn des Berufsschulunterrichts
4. Jahr: Lehre, zweites Lehrjahr
5. Jahr: Lehre, drittes Lehrjahr mit Lehrabschlussprüfung

Die Ausbildung wird nach dem 8. Schuljahr aufgenommen, ein Jahr vor Ablauf des Schulobligatoriums.
Die handwerkliche Ausbildung kann in rund dreissig verschiedenen Berufen absolviert werden, unter anderem in Schreinereien im Metallbau, IT-Technik, Ofenbau, als Filzer/in, Koch/Köchin, Metzger/in.
Im Juni des 3. Schuljahres erfolgt ein fließender Übergang in ein Lehrverhältnis in dem der Lehrlingslohn bezahlt wird, der Schüler nicht mehr Schüler sondern Lehrling ist und auch die Berufsschule besucht.
Im Laufe der fünf Jahre werden mehrere Abschlüsse erworben: Lehrabschluss, Handelsschulabschluss inkl. der von der Gewerbeordnung verlangten Unternehmerprüfung, allenfalls auch die Berufsmatura, die ja in Österreich auch eine Zulassung zu den Universitäten darstellt.
Der Lehrgang ist kostenlos, da der Schulunterricht an öffentlichen Schulen stattfindet.

werkraumschule-logo
Quellen:
Köbi Gantenbein: Werkraum, Haus, Schule. IN Hochparterre 9/16
Florian Eicher und Renate Breuß: eigen+sinnig. Der werkraum bregenzerwald als Modell für ein neues Handwerk, München (oekom) 2005
sowie die oben verlinkten Websites und Unterlagen sowie eine Mitteilung von Susanne Schedler, Werkraum Bregenzerwald.

 

UPDATE (8. Dez. 2016)

Werkraum Bregenzerwald von UNESCO ausgezeichnet
Der Werkraum wurde gemeinsam mit zwei weiteren Handwerkszentren in Oberösterreich, dem Textilzentrum Haslach und dem Hand.Werk.Haus in Bad Goisern, in das internationale „Register guter Praxisbeispiele für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen. (Quelle)

Bildungsökonomie

Stephan Wolter stellt in einem sehr interessanten Beitrag in der NZZ vom 29.6. 2016 Überlegungen an, weshalb viele Staaten uns um unsere Berufsbildung beneiden und trotzdem nicht in der Lage sind, sie im eigenen Land einzuführen. Er findet die Antwort in grundsätzlichen Fehlentwicklungen in der Bildungspolitik wie der Begrenzung einer möglichen Ausbildungsdauer auf zwei Jahre (Spanien) oder der Glaube an den Nutzen von Umverteilungsmechanismen (Grossbritannien). Damit zeigt er für eine Makroebene auf, dass die in der Bildungsökonomie heute vorherrschenden Kosten-Nutzen-Überlegungen eine beschränkte Wirkung auf die Politik haben.

Leider wird dies von der Bildungsökonomie in Untersuchungen zum Verhalten von Unternehmen immer noch ignoriert. Im Gegensatz zu andern Bereichen der Wirtschaftswissenschaften fehlt in den in der Schweiz üblichen Publikationen zur Ökonomie der Berufsbildung nach wie vor der Einbezug von „weichen Faktoren“ in das Verhalten der Betreibe.

Ob ein bestimmte Person einen Ausbildungsplatz erhält – und das interessiert letztlich die meisten Beteiligten und Betroffenen – hat nicht nur mit rationalen Kosten-Nutzen-Überlegungen zu tun, vgl. beispielsweise die Arbeiten von Christian Imdorf. Manche Lehrmeister (ich verwende bewusst diesen alten Begriff) reizt es, auch schwierigen oder schwachen Jugendliche eine Berufsausbildung zu ermöglichen. Sie nehmen in Kauf, dass hier die Kosten-Nutzen-Relation ungünstiger ist als bei angepassten Jugendlichen mit Spitzenwerten in Selektionstests. Sie ermöglichen damit erst manchen Jugendlichen einen erfolgreichen Start und tragen zum guten Image der Schweizer Berufsbildung teil.

Anderseits lehnen viele Betriebe die Anstellung von erwachsenen Lernenden durchwegs ab. Obwohl sie nicht mehr genügend fähige Jugendliche finden um ihre Lehrstellen zu besetzen werden Bewerber ab 25 Jahren von vornherein abgelehnt. Dabei dürfte es einsichtig sein, dass erwachsene Lernende dank ihrer Reife und hoher Motivation zu einer deutlich besseren Kosten-Nutzen-Relation führt. Dies beschäftigt mich sehr, bekomme ich doch immer wieder Mails die zeigen wie ausgetrocknet der Lehrstellenmarkt für Erwachsene weiterhin ist.

Die einzigen, die von einem höheren Nutzen für die Betriebe ausgehen sind die Arbeitsmarktbehörden: Sie zahlen Stellenlosen nur Ausbildungsbeiträge aus, wenn ein Betrieb bereit ist, vom ersten Lehrjahr an den Lohn für das letzte Lehrjahr zu bezahlen. Was es den Betroffenen noch schwerer macht, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Prezi zu einer Didaktik der beruflichen Bildung

Andreas Sägesser arbeitet zusammen mit Kolleg/innen seit Jahren an einem Konzept zur Förderung des Kompetenzentwicklung von Berufslernenden, das dem Selbstlernen grosse Bedeutung zumisst. Unter dem Titel «KoRe Landschaft Didaktik der beruflichen Bildung 1» hat er dazu ein Prezi publiziert, umfassend grafische Darstellungen, Videos und kleine Vorträge, die seine Vorstellungen in einer neuen Form zugänglich machen.

Ich versuche seit einiger Zeit, den Arbeiten dieser Gruppe zu folgen, denn ich empfinde sie als sinnvolle Umsetzung des Kompetenz-Konzeptes. Die erwähnte Präsentation ist zudem die erste Anwendung von Prezi, der Alternative zu PowerPoint, die mich fasziniert. Prezi – so angewandt – kann wirklich eine Alternative der öden PowerPoint-Darstellungen sein!

Ich muss mich aufmachen, dieses Tool zu lernen …

Förderung von Leistungsstarken in Deutschland: AusbildungPlus

Die „Duale Berufsausbildung mit Zusatzqualifikationen“ soll die Berufslehren für leistungsstarke Lernende attraktiver machen. Herzstück ist die Datenbank „AusbildungPlus“ des BIBB – beruhend auf freiwilligen Anbieterangaben. 2013 waren in der Datenbank rund 2.300 Zusatzqualifikationen mit insgesamt rund 85.000 teilnehmenden Auszubildenden verzeichnet. Zusatzqualifikationen richten sich an Jugendliche, die ihre duale Berufsausbildung durch Inhalte ergänzen möchten, die über die Mindestanforderungen der Ausbildungsordnung hinausgehen oder branchenspezifische Qualifikationen abdecken, zum Beispiel „Fachberater/-in für den fairen Handel“ (Dauer: 120 Stunden) für angehende Einzelhandelskaufleute und Verkäufer/-innen oder „Betriebsassistent/-in im Handwerk“ (500 Stunden) für Handwerker.

Bill Gates hofft auf Feedback-System für Lehrpersonen

Ich habe ja meine Vorbehalte gegenüber der Übernahme von Forschungsmethoden in Sozial-, Erziehungs- und Wirtschaftswissenschaften, die seinerzeit den Naturwissenschaften und der Technik zum grossen Durchbruch verhalfen. Wenn nun Bill Gates in seinem „Jahresbrief 2013“ berichtet, genauere Messmethoden hätten den Durchbruch der Dampfmaschinen und damit der Industrialisierung gebracht, so finde ich dies zwar interessant. Mir kommen jedoch Bedenken, wenn er darauf aufbauend hofft, dank besseren Messmethoden die grossen Ziele zu erreichen, die er mit seiner Stiftung anstrebt: Bessere Gesundheit, mehr Bildung, weniger Armut usw.

Was er dann aber schreibt ist eindrücklich. Mir wird wieder bewusst, dass ja in der Technik Messungen immer als Teil eines Regelkreises betrachtet werden, also als Möglichkeit einem System Feedback zu vermitteln. Wenn er von Messen spricht, dann denkt er an dessen Einsatz im Rahmen von Feedback für ein gesellschaftliches Subsystem.

Hier interessiert mich natürlich vor allem der Bericht über seine aufwendig entwickelte und in Colorado eingeführte Form des Lehrpersonen-Feedbacks. Sie habe – so berichtet er im „Jahresbrief“, zu deutlich besseren Leistungen in der High School geführt. Sie werde von der Lehrerschaft breit akzptiert und fördere auch Gegenstände wie Musik und Kunst, nicht nur die klassischen „Hauptfächer“ wie Pisa, Stellwerk etc.

Der Informatiker Gates und seine Leute haben offenbar den Weitblick, Messen weiter aufzufassen, weit über das Zählen von „objektiv erfassbarer“ Eigenschaften hinaus. Sie scheinen u.a. eine Feedback-Methode für Unterricht entwickelt zu haben, die zu einer echten Verbesserung eines Schulsystems geführt hat.

… schreibt Bill Gates.

Weiss jemand mehr über dieses Feedback-System? Und seiner Aufnahme an den Schulen? Mich würde es sehr interessieren!

Bedingungen einer funktionierenden Zusammenarbeit

Nik Ostertag schreibt in seinem Rückblick auf das Projekt „Entwicklung, Wissen, Netzwerk“ der Stiftung Arbeitsgestaltung Bedenkenswertes zur Zusammenarbeit verschiedener Anspruchsgruppen, wie sie ja an vielen Baustellen der Berufsbildung angestrebt wird:

„Eine effizient funktionierende Zusammenarbeit setzt eine gemeinsame Sicht auf das Ziel voraus, eine gemeinsame Haltung und eine gemeinsame Kultur. Innerhalb eines solchen Rahmens können dann Lösungen gefunden werden, welche die Bedürfnisse und Beiträge der verschiedenen Mitspieler berücksichtigen – insbesondere der Jugendlichen selber. Ausserhalb eines solchen Rahmens können im besten Fall Steuerungsmassnahmen einzelner staatlicher Stellen eine gewisse Ordnung herstellen. Damit ist allerdings das Zusammenspiel der verschiedenen notwendigen Prozesse noch nicht gewährleistet und die Berufsbildung noch nicht als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen.“

Die Anlehrwerkstätte der BBC – ein Stück Industrie-, Sozial- und Bildungsgeschichte

Lehrwerkstätten werden von vielen Beurfsbildner/innen als Gefahr für die Betriebslehre und/oder als Versuch der Linken aufgefasst, die Berufsbildung zu verstaatlichen. Dabei wird vergessen, dass die Mehrzahl der Lehrwerkstätten von Unternehmen aufgebaut wurden, wenn sie auch heute meist Teil von Ausbildungsbverbünden sind.

Eine besondere Lehrwerkstätte war die Anlehrwerkstätte von Brown Boveri in Baden, gedacht als Instrument zur Anlernung von Ausbildungslosen, vor allem im Zusammenhang mit der Anwerbung von Arbeitern in Italien. Ich bin in den Besitz einer schwer zugänglichen Darstellung dieser Werkstätte gekommen, seinerzeit publiziert in der Personalzeitschrift der BBC. Ich publiziere sie hier um sie leichter zugänglich zu machen.

Wie dem Aufsatz zu entnehmen ist, wurde die Werkstätte 1963 gegründet. Wann sie geschlossen wurde, weiss ich nicht. Als ich anfangs der 70-er Jahre in der BBC arbeitete, existierte sie noch.

Nebenbei: die Lehrwerkstätten, die nicht von Grossunternehmen geschaffen wurden, sind zu einem schönen Teil Gründungen von Gewerbeverbänden mit dem Ziel, der Betriebslehre durch die Ausbildung von Ausbildern („Lehrmeistern“) neuen Schwung zu vermitteln. Der Münchner Berufspädagoge Georg Kerschensteiner hat dies im Zusammenhang mit den Berner Lehrwerkstätten sin einem Bericht über die Lehrlingsausbildung in der Schweiz beschrieben.

Unternehmergeist in der Berufsbildung

Die Stiftung Enterprise führt seit 2006 unter dem Titel EnterPrize Wettbewerbe durch, bei denen „Unternehmergeist in der Berufsibldung“ ausgezeichnet wird. Nun ist eine Liste der bisherigen Preisträger erschienen, von der auch Dokumentationen heruntergeladen werden können, die die bisherigen Preisträger kurz darstellen.
Nebenbei: In der Zeitschrift PANORAMA gibt es ausführlichere Darstellungen der Priesträger 2006 und 2008.

Hier die Namen der Finalisten:

2006:
Berufswahlplattform Kanton Solothurn (Gewinner)
Creative Solutions, Winterthur
Lernfoyer, Zürich

2008:
Login, Ausbildungsverbund in der Welt des Verkehrs (Gewinner)
Haus der Farbe, Zürich
Leseförderung an Berufsfachschulen
Caroline Hüte & Mützen, Luzern
Laufbahn-Coaching, BerufsBildungBaden

2010:
Overall Lehrverbund, Basel (Gewinner)
Bühler AG, Uzwil
Crescenda, Gründungszentrum für Migrantinnen, Basel
Schulisches Brückenangebot Kanton Zug
Bildungsregion Zentralschweiz

Wissen ist in der Wissensgesellschaft zum Unwort geworden.

Ich habe heute morgen einen anregenden Betrag aus dem Podcast „SWR2 Aula“ mit Paul Liessmann gehört, in dem aufzeigte, dass „Wissen in der Wissensgesellschaft wenig gilt“, u.a. weil es fälschlicherweise mit Information und Information mit der Archivierung von Daten Verwechselt wird.
So kreisen denn heute Lehrpläne um „Kompetenzen“, „Workloads“ und „Soft Skills“. Von „Bildung“ ist sowieso nicht mehr die Rede. Vielleicht zu Recht, versteht man doch unter diesem Begriff nicht mehr die Möglichkeit, den Menschen „aus der Unmündigkeit in die Autonomie zu leiten“, sondern ein Überlebenstraining für die einen und das zentrale Mittel für den „erbitterten Kampf um Chancen und Einkommen“ für die anderen.
Liessmann kommt dann zu den andernorts auch publizierten Unterscheidungen von verschiedenen und in unserer Zeit unterschiedlich wertvollen Formen von Wissen und der Möglichkeit, diese zu definieren, zu erwerben und nachzuweisen. Seine Warnung vor dem Versuch, das wirklich wichtige Wissen als Kompetenzen zu definieren, die man in Test erfassen und in Bildungsstandards beschreiben kann – dies ist im Auge zu behalten scheint mir wichtig, wenn auch heute ein Kampf mit der Windmühle!

1500 aus der Sozialhilfe in eine Lehre gebracht.

„Wir haben durch die Änderung der finanziellen Anreize 1500 junge Erwachsene aus der Sozialhilfe in eine Lehre gebracht.“ erklärt Bundesratskandidat Pierre-Yves Maillard in einem Interview im TA, 25. November 2011.
Er spricht vom Projekt FORJAD, wahrlich einer vorbildlichen Leistung: Unter bestimmten Bedingungen erhalten Personen zwischen 18 und 25 Stipendien statt Sozialhilfe und so die Möglichkeit, eine berufliche Grundbildung nachzuholen. 10 Gesetze und Verordnungen mussten dazu geändert werden. Erfolgreich gelöstes Hauptproblem: Stipendien werden vom Kanton vergeben, Sozialhilfe von den Gemeinden.
Mehr dazu: Abklärungen und Bericht über unsere Veranstaltung, druchgeführt zusammen mit VALIDA im Rahmen des Projekts „Zweite Chance„.

Bund fasst Bildung im EVD zusammen

Während vieler Jahre wurde es gefordert: die Zusammenfassung der Bildung in einem Departement. Auf den 1. Januar 2013 wird sie Tatsache, so hat es der Bundesrat am 29. Juni 2011 beschlossen.
Was nicht zu erwarten war: die Bildung kommt ins Eidg. Volkswirtschaftsdepartment, das Departement des Innern gibt das Staatssekretariat für Bildung und Forschung zusammen mit der ETH an das EVD ab und bekommt dafür von diesem das Veterinärwesen. Für die Bildung ist also in Zukunft das Volkswirtschaftsdepartment zuständig, die Hochschulgesetzgebung, die neben den Fachhochschulen auch die Universitäten und die Pädagogischen Hochschulen regelt, gehört zum Arbeitsbereich des Volkwirtschaftsdepartement, das allerdings – so ist der NZZ vom 30. Juni zu entnehmen – möglicherweise einen neuen Namen erhält.
Damit hat der Bund anders entschieden als die Kantone: Irrtum vorbehalten ist die Berufsbildung nur noch im Kt. Zug bei der Volkswirtschaftsdirektion. „Bund fasst Bildung im EVD zusammen“ weiterlesen

Praktischer Unterricht als zentraler Inhalt städtischer Berufsschulen im ersten Drittel des 20. Jh.

Nachdem 1884 der Bund die Subventionierung von „gewerblichen Fortbildungsschulen“ beschlossen hatte, entstanden vielerorts neue Berufsschulen, wobei sich zwei unterschiedliche Typen abzeichneten:
• In ländlichen Regionen waren es kleine Schulen, die oft in Schulhäusern der Volksschule untergebracht waren, und in denen fast ausschliesslich nebenamtlich tätige Lehrer unterrichteten. Der Unterricht umfasste ein stark am Fachzeichnen orientierte Berufskunde und dem üblichen Programm der allgemeinen Fortbildungsschule: Deutsch, Rechnen und Staatskunde.
• In einigen grösseren Städten entwickelten sich hingegen eigenständige Schulen mit eigenem Lehrkörper und einem umfangreichen Unterrichtsprogramm, das neben theoretischen Fächern auch praktischen Unterricht umfasste, vergleichbar mit dem Inhalt der heutigen „überbetrieblichen Kurse“.
Als 1933 das erste Berufsbildungsgesetz in Kraft trat, entschied der Bund, der praktische Unterricht gehöre nicht an die Berufsschulen, statt dessen sei der „geschäftskundliche Unterricht“ zu pflegen. Dies führte zu grundlegenden Veränderungen bei den städtischen Schulen.
„Praktischer Unterricht als zentraler Inhalt städtischer Berufsschulen im ersten Drittel des 20. Jh.“ weiterlesen

Eine Handwerkskammer betreibt einen eigenen Fernsehsender.

Die Handwerkskammer Koblenz (Rheinland Pfalz) betreibt einen eigenen Fernsehsender, zu empfangen über den Satelliten Astra 19,2º Ost, Freq. 12.246 V oder die Webadresse http://hwk-tv.de. Manche Sendungen beschäftigen sich mit der Ausbildung von Lernenden, mit Weiterbildungsfragen oder mit der Arbeit der Ausbildungsberater. Andere stellen alte und neue Gewerke dar. „Eine Handwerkskammer betreibt einen eigenen Fernsehsender.“ weiterlesen

Ausbildende Betriebe: Hauptmotive

Warum bilden Betriebe aus?
In den letzten Jahren wurde stark die ökonomische Seite hervorgehoben: Für sehr viele Lehrbetriebe ‚rentiert‘ ihre Ausbildung kurz- oder längerfristig. Diese Aussagen basieren auf den Untersuchungen von Prof. St. Wolter und Mitarbeitenden. Andere Motive sind aber offenbar mindestens so wichtig, wie diese Forschergruppe bereits 2003 aufgezeigt hat: Gruende fuer Ausbildung.png

Diese Grafik wird wie folgt kommentiert:

„Ausbildende Betriebe: Hauptmotive“ weiterlesen

FR: Lehrbetriebsverbund Fribap fördert Lernende und Berufslehre

(jf) Der Freiburger Lehrbetriebsverbund Fribap (vgl. http://www.fribap.ch/de/index_de.php) wurde vor zweieinhalb Jahren ins Leben gerufen und umfasst heute 27 Lehrbetriebe mit 34 Lernenden in 18 Berufen im Handwerks- und Dienstleistungssektor. Fribap hilft Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Schwierigkeiten bei der Lehrstellensuche und begleitet sie mit gezielten Massnahmen während der ganzen Lehre bis zum erfolgreichen Lehrabschluss. Zudem entlastet Fribap die beteiligten Lehrbetriebe von der Lehrvertragsverantwortung und allen administrativen Arbeiten im Zusammenhang mit der Lehre. Der Verbund wird von Bund und Kanton finanziell unterstützt.

Quelle: Panorama.aktuell

Fachmann/Fachfrau Betreuung: deutliche Stellungsnahme gegen Vorpraktika

Wie bei der Pflege war es auch in sozialen Berufen früher üblich, vor Antritt einer Ausbildung ein Praktikum zu absolvieren. Im Zusammenhang mit der Unterstellung unter das Berufsbildungsrecht wurde 2005 die Ausbildung Fachfrau/Fachmann Betreuung geschaffen, die wie andere berufliche Grundbildungen an die Volksschule anschliesst.

Die Organisation der Arbeit für das Sozialwesen, SavoirSocial, stellt nun fest, dass „viele Betriebe nach wie vor an den ehemaligen Zulassungsvoraussetzungen der altrechtlichen Vorgängerausbildungen“ festhalten. Mit entschiedenden Worten werden solche „Unabhängigen Praktika“ abgelehnt: „Die Mehrheit der Jugendlichen, die nach der obligatorischen Schulzeit ein solch Unabhängiges Praktikum … absolviert, findet nie eine Lehrstelle als Fachfrau / Fachmann Betreuung. Für diese Jugendlichen ist diese Art von Praktikum daher häufig nur eine unnötige und demotivierende Zwischenschlaufe.“ (avoirSocial: Praktika im Sozialbereich – Empfehlungen von SAVOIRSOCIAL, 19.1.2010

Man könnte zufügen:
… und bedeutet eine Ausnützung junger Frauen, weil sie so gezwungen werden ein oder zwei Jahre für ein Taschengeld zu arbeiten, bevor sie sich auch nur für die sie interessierende Berufslehre bewerben können. Andererseits soll die finanzielle Lage mancher Kinderkrippen so prekär sein, dass sie den Betrieb nur dank dieser Ausnutzung junger Frauen aufrecht erhalten können. Allerdings sind uns sogar von Gemeinden getragene Krippen bekannt, die auf diese Weise junge Frauen ausnutzen.

Ich kannte Zeiten, da hat ein Sportgeschäft Interessenten für eine Lehre als Sportartikel-Verkäufer (damals auch sehr gesuchte Lehrstellen) ein halbes Jahr Praktika machen lassen, bevor sie den Lehrvertrag bekamen. Dies wurde diesem Sportgeschäft vom zuständigen Berufsbildungsamt hoch offiziell verboten. Aber das ist schon lange her …

Wt 27.1.2010