Im Kanton Thurgau entsteht eine rechtliche Grundlage für niederschwelliges Ausbildungsangebot im ersten Arbeitsmarkt.

Im April 2013 verlangte der Thurgauer Kantonsrat Roland A. Huber in einer Motion im Grossen Rat des Kantons die „Schaffung der gesetzlichen Grundlage für ein niederschwelliges Berufsausbildungs-Angebots“. Der Vorstoss wurde im Februar 2014 als erheblich erklärt und am 27. Oktober 2015 schlug der RR dazu dem KR eine Änderung des Gesetzes über die Berufsbildung und die Mittelschulen vor:

Kantonales Ausbildungsattest
1 Das kantonale Ausbildungsattest ist eine niederschwellige Grundbildung im ersten Arbeitsmarkt zur Erlangung von fachlichen Grundfertigkeiten für Personen mit Wohnsitz im Kanton Thurgau.
2 Die Ausbildung zum Erhalt des kantonalen Ausbildungsattests dauert zwei Jahre. Vier Tage pro Woche werden im Ausbildungsbetrieb geleistet, ein Tag an einer kantonalen Berufsfachschule.
3 Das kantonale Ausbildungsattest enthält einen Kompetenznachweis der fachlichen Fähigkeiten sowie ein Abschlusszeugnis der Berufsfachschule.
4 Grundlage bildet ein schriftlicher, vom Kanton zu genehmigender Ausbildungsver- trag mit einem Ausbildungsbetrieb mit Bildungsbewilligung.

Seitens der SVP wurde mit folgender Begründung ein Verzicht auf ein kantonales Ausbildungsattest verlangt:

Die Einführung eines kantonalen Ausbildungsattestes macht deshalb aus vier Gründen keinen Sinn:
1. Weil mit der zweijährigen Grundbildung mit EBA eine gute Alternative geschaffen wurde, die für ein gleichbleiendes, auf dem Arbeitsmarkt nachgefragtes Niveau sorgt.
2. Weil das Gesetz über die Berufsbildung heute schon Massnahmen zur Unterstützung vorsieht.
3. Weil Jugendliche ihre Kompetenzen bald auch individuell bescheinigen lassen können.
4 Weil das Gewerbe, die Industrie und die Branchenverbände keine kantonalen „Berufs-Züglein“ wollen. Dies zugunsten der Jugendlichen und der Unternehmungen. Diese Basis gilt es zu respektieren.

Diesem Antrag wurde mit Stichentscheid des Präsidenten zugestimmt.

In der zweiten Lesung am 20.4.16 wurde der Entwurf zur Überarbeitung an den RR zurück gewiesen, mit dem Auftrag, den aufgeworfenen Fragen im Zusammenhang mit der beruflichen Qualifizierung von weniger leistungsfähigen Jugendlichen nachzugehen. Am 16.8.16 legte der RR eine umfangreiche (und lesenswerte!) Ergänzung seiner Botschaft vor, in dem er ausführlich auf rechtliche Grundlagen und auf das Bildungssystem eingeht und als Lösungsansatz den „Individuellen Kompetenznachweis für Jugendliche, die keinen eidgenössischen Berufsabschluss erlangen (IKN)“ beschreibt. Er schlägt nun vor, das Gesetz über die Berufsbildung und die Mittelschulen wie folgt zu ergänzen:

Für leistungsschwache Jugendliche mit Wohnsitz im Kanton Thurgau kann der Kanton ein niederschwelliges Ausbildungsangebot im ersten Arbeitsmarkt vorsehen. Der Regierungsrat regelt die Einzelheiten.

Fortsetzung folgt wohl demnächst …
(Dieser Link zeigt die Übersicht über den Ablauf der Verhandlungen.)

Glossar „Was ist was in der Europäischen Berufsbildungspolitik?“

Unter dieser Bezeichnung publiziert der Zentralverband des deutschen Handwerks periodisch eine 18 Seiten umfassende Übersicht über die Bestrebungen Europas zur Annäherung in der Berufsbildungspolitik. Ich schätze sie weil sie mir erlaubt, mir die verschiedenen Bestrebungen wieder in Erinnerung zu rufen.

Bildungsökonomie

Stephan Wolter stellt in einem sehr interessanten Beitrag in der NZZ vom 29.6. 2016 Überlegungen an, weshalb viele Staaten uns um unsere Berufsbildung beneiden und trotzdem nicht in der Lage sind, sie im eigenen Land einzuführen. Er findet die Antwort in grundsätzlichen Fehlentwicklungen in der Bildungspolitik wie der Begrenzung einer möglichen Ausbildungsdauer auf zwei Jahre (Spanien) oder der Glaube an den Nutzen von Umverteilungsmechanismen (Grossbritannien). Damit zeigt er für eine Makroebene auf, dass die in der Bildungsökonomie heute vorherrschenden Kosten-Nutzen-Überlegungen eine beschränkte Wirkung auf die Politik haben.

Leider wird dies von der Bildungsökonomie in Untersuchungen zum Verhalten von Unternehmen immer noch ignoriert. Im Gegensatz zu andern Bereichen der Wirtschaftswissenschaften fehlt in den in der Schweiz üblichen Publikationen zur Ökonomie der Berufsbildung nach wie vor der Einbezug von „weichen Faktoren“ in das Verhalten der Betreibe.

Ob ein bestimmte Person einen Ausbildungsplatz erhält – und das interessiert letztlich die meisten Beteiligten und Betroffenen – hat nicht nur mit rationalen Kosten-Nutzen-Überlegungen zu tun, vgl. beispielsweise die Arbeiten von Christian Imdorf. Manche Lehrmeister (ich verwende bewusst diesen alten Begriff) reizt es, auch schwierigen oder schwachen Jugendliche eine Berufsausbildung zu ermöglichen. Sie nehmen in Kauf, dass hier die Kosten-Nutzen-Relation ungünstiger ist als bei angepassten Jugendlichen mit Spitzenwerten in Selektionstests. Sie ermöglichen damit erst manchen Jugendlichen einen erfolgreichen Start und tragen zum guten Image der Schweizer Berufsbildung teil.

Anderseits lehnen viele Betriebe die Anstellung von erwachsenen Lernenden durchwegs ab. Obwohl sie nicht mehr genügend fähige Jugendliche finden um ihre Lehrstellen zu besetzen werden Bewerber ab 25 Jahren von vornherein abgelehnt. Dabei dürfte es einsichtig sein, dass erwachsene Lernende dank ihrer Reife und hoher Motivation zu einer deutlich besseren Kosten-Nutzen-Relation führt. Dies beschäftigt mich sehr, bekomme ich doch immer wieder Mails die zeigen wie ausgetrocknet der Lehrstellenmarkt für Erwachsene weiterhin ist.

Die einzigen, die von einem höheren Nutzen für die Betriebe ausgehen sind die Arbeitsmarktbehörden: Sie zahlen Stellenlosen nur Ausbildungsbeiträge aus, wenn ein Betrieb bereit ist, vom ersten Lehrjahr an den Lohn für das letzte Lehrjahr zu bezahlen. Was es den Betroffenen noch schwerer macht, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Gleichartig statt gleichwertig?

Prof. Dieter Euler hat im neuen „folio“ (einmal mehr) einen interessanten Denkanstoss gegeben: Die Einsatzgebiete von Absolvent/innen beruflicher Bildungswege würden sich von denjenigen akademischer Studien in manchen Feldern kaum noch unterscheiden. Die Abgrenzungsformel „Gleichwertig, aber nicht gleichartig“ erweise sich immer mehr als Beschwörungsrhetorik statt als Beschreibung der Wirklichkeit. Euler nennt als Beispiel die Ausbildungen von Dipl. Pflegepersonen (Höhere Fachschule) und von BSc in Pflege (Fachhochschulen). Mir fallen dazu auch Ausbildungen in den Bereiche Gestaltung, Informatik, Architektur ein.

Interessant auch ein Schluss, den er daraus zieht: Weshalb ist der Zugang zu Fachhochschulen ausschliesslich über zusätzliche Allgemeinbildung möglich, nicht auch über zusätzliche berufliche Bildung?
Dazu ein Blick über die Grenze: In vielen deutschen Bundesländern eröffnet ein Meisterdiplom ebenfalls den Zugang zu Universitäten, nicht nur ein Abitur. Österreich kennt wie die Schweiz die Berufsmaturität. Sie basiert dort jedoch auf einer Kombination von zusätzlicher Allgemeinbildung und zusätzlicher Berufsbildung.

Das Handwerk Deutschlands kämpft um leistungsfähige Jugendliche

Ja, machen die Schweizer KMU auch. In Deutschland ist der Kampf wohl noch etwas härter: 50% aller Jugendlichen erwerben ein Abitur.

Hier einige Auszüge aus einem Interview mit Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer (Quelle):

Was bieten Sie an Karrieremöglichkeiten im Handwerk?

Wollseifer Der „Markenkern“ des Handwerks sind die duale Ausbildung und der Meisterbrief. Dazu gibt es auf allen Stufen Zusatzqualifikationen, Spezialisierungsangebote und Fortbildungen. Darüber muss künftig in allen Schulformen informiert werden – diese Berufsorientierung unterstützt auch Bundesbildungsministerin Wanka. Denn wir brauchen alle – den Hauptschulabsolventen wie den Abiturienten.

50 Prozent aller Kinder machen Abitur, die allermeisten wollen anschließend studieren. Gehen dem Handwerk hier Generationen verloren?

Wollseifer Dass sich so viele hohe Ziele setzen, ist ja ein gutes Zeichen. Hier muss die berufliche Bildung aber viel stärker in den Fokus rücken – auch hier findet höhere Bildung statt! Wir brauchen doch beides: gute Akademiker und gute Fachkräfte, die beruflich qualifiziert sind. Bachelor und Meister stehen auf Augenhöhe. Um mehr leistungsstarke Schulabgänger für das Handwerk zu gewinnen, werden beispielsweise das duale und das triale Studium angeboten.

Wie funktioniert das?

Wollseifer Duales Studium bedeutet: Ich mache meine Berufsausbildung im Betrieb und studiere parallel, erwerbe so Gesellenbrief und Bachelor. In Köln ist das triale Studium gestartet, das jetzt bundesweit Karriere macht: Hier kommt der Meisterbrief als dritter Abschluss hinzu, innerhalb von viereinhalb Jahren. Diese leistungsstarken jungen Leute sind im Handwerk höchst gefragt. In den nächsten zehn Jahren werden 200 000 Handwerksbetriebe an Nachfolger übergeben. Für die Übernahme sind diese Absolventen prädestiniert.

Eine Lehre ist in der Gesellschaft immer noch weniger gut angesehen als ein Studium …

Wollseifer Dagegen wollen wir eine „höhere Berufsbildung“ setzen. Erstes Ziel ist ein duales Gymnasium, das technisch oder wirtschaftlich orientiert ist. Mir schwebt ein „Abitur plus“, mit Berufsabschluss, für die Absolventen vor. Es gibt in Brandenburg, Baden-Württemberg und Bayern bereits solche Schulen. Wir wollen das jetzt zusammen mit Bund und Ländern als Leuchtturmprojekt auf den Weg bringen. Denn wir müssen den Jugendlichen Angebote unterbreiten, die attraktiv und gesellschaftlich anerkannt sind.

Was tun Sie für Studienabbrecher?

Wollseifer Wir arbeiten bereits stärker mit den Universitäten zusammen. Gemeinsam kümmern wir uns um Studienaussteiger, bieten ihnen berufliche Karrieren als Alternative an. Dazu gehört eine verkürzte Ausbildung in Kombination mit einer Fortbildung, etwa dem Meisterabschluss. Dabei werden ihre bisherigen Studienleistungen teilweise anerkannt. Wir vergessen aber auch junge Leute nicht, die Unterstützung brauchen – für sie wird es künftig 10 000 Plätze in assistierter Ausbildung geben.

Mit Nachwuchskampagnen Jugendliche werben – mehr vom Gleichen.

Verschiedene Branchen leiden unter Nachwuchsmangel. Die Zahl der Jugendlichen ist begrenzt und sinkt in manchen Regionen weiter. Anderseits will die Wirtschaft wachsen. Deshalb wird versucht, Jugendliche mit raffinierter Öffentlichkeitsarbeit auf einen wenig gesuchten Beruf aufmerksam aufmerksam zu machen. Die Metzger haben dieser Tage eine solche Kampagne gestartet. Wenn sie gross genug ist bringt sie sicher etwas – mindestens für die beteiligten PR-Büros. Und sicher hat sie noch grössere Werbekampagnen für andere Berufe zur Folge.

Man könnte auch versuchen, andere Wege zu gehen, statt immer ausgefeiltere Werbekampagnen zu entwickeln. Zum Beispiel in dem man den Nachwuchs bei Erwachsenen sucht, statt bei Jugendlichen.
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Die Pflästerer sind eine Branche, die diesen Weg bereits gegangen ist. Die Zahl der Pflästerer-Lehrlinge sank vor einigen Jahren auf weniger als 10 pro Jahr. Heute decken sie ihren Nachwuchsbedarf zum grossen Teil durch die Ausbildung von Erwachsenen statt von Jugendlichen.

In der Schweiz arbeiten über 600’000 Männer und Frauen, die älter als 24 Jahre sind und nie eine Berufslehre oder eine Mittelschule abgeschlossen haben. Manche von ihnen verfügen durchaus über die nötige Kapazität um noch einen Beruf zu erlernen und sind auch interessiert, vorwärts zu kommen. Das Berufsbildungsgesetz sieht spezielle Wege für Erwachsene vor, die eine Grundbildung nachholen möchten. Sie werden kaum benutzt, den in der Praxis sind grosse Hindernisse zu überwinden. Jährlich erwerben deshalb nur 3000 Personen über 25 Jahren einen ersten Berufsabschluss. Seit kurzem sind nun aber verschiedene Initiativen im Gange, um die vorgesehenen Wege auch wirklich begehbar zu machen, unter anderem unsere Initiative «ZweiteChance».

Die Schweizer Berufsbildung richtet sich in erster Linie an Jugendliche. Anderseits gibt es viele Erwachsene, die weiter kommen möchten. Weshalb nicht hier ansetzen? Vor allem Branchen mit einem einem hohem Anteil an Un- und Angelernten kommen dazu in Frage. Zum Beispiel die Gipser, wo der Anteil der Angelernten 90% beträgt!

Allerdings ist dazu ein geeignetes Setting notwendig, umfassend einen auf Erwachsene ausgerichteten Unterricht und einige andere Vorkehrungen. Dies gibt Aufwand, PR-Kampagne aberauch. Und die Erfolgsaussichten dürften grösser sein, wenn man sich an Erwachsene wendet, statt wie alle andern an Jugendliche. Ganz abgesehen davon, dass Erwachsene, die noch eine Berufsausbildung machen, diesem Berufsfeld langfristig treu bleiben werden.

Man kann das gleiche machen wie andere, nur größer und besser. Oder man kann nach anderen Wegen suchen, ein Problem zu lösen. Schön, wenn man zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen kann, nicht wahr?

Lehre und Gymi

Seit einiger Zeit finden auf Initiative des MBA Zürich Veranstaltungen für Eltern statt, bei denen es um den Entscheid geht, ob ihr Sohn, ihre Tochter eher in eine Berufslehre oder ein Gymnasium eintreten sollten. Während mehreren Jahren habe ich jeweils im Auftrag des Zürcher MBA das Impulsreferat gehalten. Nun wurde anhand des Inhalts dieser Referate ein 12 Minuten dauerndes Video erstellt, das in professioneller Weise diese Thematik darstellt. Es soll in erster Linie im Rahmen von Veranstaltungen zur Berufswahl eingesetzt werden.

Für mich ein äusserst erfreulicher Abschluss dieses Einsatzes!

Akademisierungsfalle – Stimme aus Deutschland

In Deutschland hat Julian Nida-Rümelin, „einer der renommiertesten Philosophen“ sich zum „Akademisierungswahn“ geäussert. Einem Vortrag (hier als PDF, hier als mp3) entnehme ich, folgende Informationen:

Fast 50% eines Jahrgangs haben heute eine „Hochschulzugangsberechtigung“. 20% von ihnennehme kein Studium auf. In Frankreich erreichen heute 75% ein Baccalaureat. Es ist aber zu beachten, dass Frankreich „ein ganz anders geartetes Hochschulsystem“ hat als Deutschland und „ein Bachelor-Studium in den USA hat mit einem wissenschaftlichen Studium in Europa nichts zu tun. Das ist eine Art gymnasiale Oberstufe mit Wahl- und gegen Ende gewissen Spezialisierungsmöglichkeiten. Sie ist eingerichtet worden, um ein wissenschaftliches Studium zu ermöglichen, auf ein wissenschaftliches Studium hinzuführen.“

„Das Bundesinstitut für Berufliche Bildung ist in einer Abschätzung der Bedarfe zwischen 2010 und 2030 (…) zu dem Schluss gekommen, dass wir im Bereich der Facharbeiterschaft, also der Bereiche, die eine berufliche Ausbildung, aber kein Studium erfordern, einen Fehlbedarf haben, der über all diese Jahre nicht gedeckt sein wird, von deutlich über 4 Millionen Menschen [und] (…) dass es im Bereich der akademischen Berufe keinen Mangel geben wird, ja sogar einen Überhang von mehr als 1 Million.“ Im MINT Bereich sei ein riesiger Deckungsbedarf zu erwarten, aber nicht bei den akademischen, sondern bei den nicht-akademischen MINT-Berufen.

Immerhin: „Für Menschen, die ein Studium abgeschlossen haben, wird es auch in Zukunft wahrscheinlich nur selten ein Problem geben, Arbeit zu finden, aber eben nicht in den Berufen, die ihrer Ausbildung angemessen sind. (…) Es gibt Untersuchungen, dass ein Gutteil der Absolventen akademischer Studiengänge weniger als den [in Zukunft gesetzlich vorgeschriebenen] Mindestlohn erhalten.“ Unter anderem als Lehrbeauftragte.

Zum Lebenseinkommen: „Es ist eine Lüge zu behaupten, dass ein Studium ein höheres Einkommen mit sich bringt. Es hängt davon ab, was man studiert hat. Tatsächlich verdienen z. B. Absolventen geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlicher Fächer im Durchschnitt weniger als Fachkräfte aus nichtakademischen Berufen – Bankfachleute, Maschinenbautechniker, Industriemeister, Elektrotechniker, Bautechniker usw. „

Sekundarstufe I 2005 und 2012

Bei der Gestaltung der Sekundarstufe I hat sich ja die Kreativität der kantonalen Bildungspolitik in einer Art geäussert, die Eltern, Lehrbetrieben und vor allem die Schüler/innen selbst immer wieder vor Probleme stellt. Mitarbeitende des Bundesamtes für Statistik erstellen in verdankenswerter Arbeit jedes Jahr eine Übersicht, vgl «Bildungslandschaft Schweiz». Für eine Publikation habe ich, basierend dieser Basis 2005 eine Grafik erstellt (hier), die ich nun anhand der Daten 2012 aufaddiert habe (hier), vgl. unten.
Vielleicht interessiert’s jemanden …
407 Sek I Schultypen 2012

Man tagt. Man vergleicht.

Über die SwissSkills in Bern (17. bis 21. September 14) und den „Erster Internationaler Berufsbildungskongress“ in Winterthur (15. bis 18. September 14) wurde ausführlich berichtet. Gleichzeitig tagte man auch in Deutschland:
Am 18. und 19. September fand der 7. Kongress des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) statt. Motto: Berufsbildung attraktiver gestalten – mehr Durchlässigkeit ermöglichen. Es wird berichtet: „Das BIBB konnte [neben vielen Deutschen] knapp 100 Gäste aus rund 35 Ländern von vier Kontinenten sowie Vertreterinnen und Vertreter von internationalen Berufsbildungsorganisationen wie CEDEFOP, ETF und UNESCO-UNEVOC als Kongressteilnehmende begrüßen.“
Das nennt man konzertierte Aktion zur Förderung der Berufsbildung. Oder war es Zufall?

Persönlich interessierte mich am meisten folgender Bericht aus Berlin: „Bund und Länder haben sich im vergangenen Jahr auf den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) geeinigt. Nach den im DQR vereinbarten Richtlinien können erstmals unterschiedliche Abschlüsse verglichen und bewertet werden. Die Abschlüsse Bachelor, Meister oder Techniker entsprechen gleichermaßen dem DQR-Niveau 6.“ Quelle
Bin ja gespannt, ob unsere Techniker HF und unsere eidg. dipl. Meister auch mit den Bachelors von FHS und Universitäten in die gleiche Schublade des Schweizer „NQR“ eingeteilt werden.

Förderung von Leistungsstarken in Deutschland: AusbildungPlus

Die „Duale Berufsausbildung mit Zusatzqualifikationen“ soll die Berufslehren für leistungsstarke Lernende attraktiver machen. Herzstück ist die Datenbank „AusbildungPlus“ des BIBB – beruhend auf freiwilligen Anbieterangaben. 2013 waren in der Datenbank rund 2.300 Zusatzqualifikationen mit insgesamt rund 85.000 teilnehmenden Auszubildenden verzeichnet. Zusatzqualifikationen richten sich an Jugendliche, die ihre duale Berufsausbildung durch Inhalte ergänzen möchten, die über die Mindestanforderungen der Ausbildungsordnung hinausgehen oder branchenspezifische Qualifikationen abdecken, zum Beispiel „Fachberater/-in für den fairen Handel“ (Dauer: 120 Stunden) für angehende Einzelhandelskaufleute und Verkäufer/-innen oder „Betriebsassistent/-in im Handwerk“ (500 Stunden) für Handwerker.

1950: 85% der Knaben in der beruflichen Grundbildung

Der Anteil der „aus der Schule entlassenen Knaben“ die sogleich einem Erwerb nachgehen, wird 1950 auf 15-20 Prozent geschätzt. Also dürften bereits damals 80 – 85 Prozent eine berufliche Grundbildung oder eine Mittelschule in Angriff genommen haben.

Heute wird diese Zahl auf 95% der Schweizer Jugendlichen geschätzt, von anderer Seite eher auf 90 Prozent. Der Anstieg in den letzten 60 Jahren betrifft offenbar vor allem die Mädchen und allenfalls ausländische Jugendliche.

Quelle: Revision des Bundesgesetzes vom 26. Juni 1930 über die berufliche Ausbildung. Bericht und Text des Gesetzesentwurfes der Expertenkommission vom Dezember 1960, S. 42

Kombination schulisch organisierte Grundbildung mit Betriebslehre

Im Bericht zur schulisch organisierten beruflichen Grundbildung, den ich zusammen mit Jacques Amos für die SBBK geschrieben habe, haben wir kombinierte Modelle vorgeschlagen. Eben ist eine Dokumentation über entsprechende Schulversuche in Hamburg erschienen, bei denen es um einen solchen Ansatz ging:

„Als wesentliches Merkmal der Ausbildungsform gilt dessen konsekutiver Aufbau, bei dem die Schüler zunächst einen 2-jährigen vollzeitschulischen Ausbildungsabschnitt mit den Abschlüssen Technische bzw. Kaufmännische Assistenz und der Fachhochschulreife absolvierten. Bei erfolgreichem Bestehen folgte ein 1,5-jähriger betrieblich ausgerichteter Ausbildungsabschnitt als Fachinformatiker/in Systemintegration bzw. als Kaufmann/-frau für Bürokommunikation mit dem jeweiligen Kammerabschluss. In diesem Abschnitt konnten die Jugendlichen auf freiwilliger Basis ein schulisches Begleitband besuchen, das im Umfang zwischen 1,5 Stunden und zwei Nachmittagen im Monat variierte.“ (KARIN WIRTH, FRANK KRILLE, TADE TRAMM & THOMAS VOLLMER, Editorial zur Dokumentation)

Zusammenarbeit Oberstufe – Lehrbetriebe in Baden-Württemberg

Ich lese von einer Form der Zusammenarbeit, die vor allem für kleinere Lehrbetriebe mit freien Lehrstellen von Interesse sein könnte:

In Baden-Württemberg blieben zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres insgesamt rund 5.500 Ausbildungsstellen unbesetzt. Bildungspartnerschaften helfen, Unternehmen und Jugendliche zusammen zu bringen«, erklärte Wirtschaftsminister Schmid heute (2.1.13) in Stuttgart. »Bildungspartnerschaften sind gerade für die kleinen Betriebe in Baden-Württemberg wichtig, denn sie haben am meisten Probleme, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen«, so der Minister.

Bildungspartnerschaften ermöglichen beispielsweise Praktika und Arbeitsplatzerkundungen in Betrieben. Unternehmen können branchenspezifische Berufsbilder bekannter machen und die Attraktivität ihrer Ausbildungsberufe vermitteln.

Kleine Unternehmen sind häufig personell und finanziell nicht in der Lage, Partnerschaften aus eigener Kraft zu organisieren. Sie sind deshalb bei den Bildungspartnerschaften, die bereits rund 80 Prozent der allgemein bildenden weiterführenden Schulen abgeschlossen haben, noch deutlich unterrepräsentiert.

Mit insgesamt rund 840.000 Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) fördert das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Koordinatoren, die Bildungspartnerschaften von kleinen Betrieben im Verbund – insbesondere aus dem Handwerk – mit allgemein bildenden Schulen initiieren, erweitern und aktiv betreuen. Insgesamt werden 12,5 Koordinatorenstellen bei elf Trägern in den Regionen Baden-Württembergs ermöglicht.

Bill Gates hofft auf Feedback-System für Lehrpersonen

Ich habe ja meine Vorbehalte gegenüber der Übernahme von Forschungsmethoden in Sozial-, Erziehungs- und Wirtschaftswissenschaften, die seinerzeit den Naturwissenschaften und der Technik zum grossen Durchbruch verhalfen. Wenn nun Bill Gates in seinem „Jahresbrief 2013“ berichtet, genauere Messmethoden hätten den Durchbruch der Dampfmaschinen und damit der Industrialisierung gebracht, so finde ich dies zwar interessant. Mir kommen jedoch Bedenken, wenn er darauf aufbauend hofft, dank besseren Messmethoden die grossen Ziele zu erreichen, die er mit seiner Stiftung anstrebt: Bessere Gesundheit, mehr Bildung, weniger Armut usw.

Was er dann aber schreibt ist eindrücklich. Mir wird wieder bewusst, dass ja in der Technik Messungen immer als Teil eines Regelkreises betrachtet werden, also als Möglichkeit einem System Feedback zu vermitteln. Wenn er von Messen spricht, dann denkt er an dessen Einsatz im Rahmen von Feedback für ein gesellschaftliches Subsystem.

Hier interessiert mich natürlich vor allem der Bericht über seine aufwendig entwickelte und in Colorado eingeführte Form des Lehrpersonen-Feedbacks. Sie habe – so berichtet er im „Jahresbrief“, zu deutlich besseren Leistungen in der High School geführt. Sie werde von der Lehrerschaft breit akzptiert und fördere auch Gegenstände wie Musik und Kunst, nicht nur die klassischen „Hauptfächer“ wie Pisa, Stellwerk etc.

Der Informatiker Gates und seine Leute haben offenbar den Weitblick, Messen weiter aufzufassen, weit über das Zählen von „objektiv erfassbarer“ Eigenschaften hinaus. Sie scheinen u.a. eine Feedback-Methode für Unterricht entwickelt zu haben, die zu einer echten Verbesserung eines Schulsystems geführt hat.

… schreibt Bill Gates.

Weiss jemand mehr über dieses Feedback-System? Und seiner Aufnahme an den Schulen? Mich würde es sehr interessieren!

Bedingungen einer funktionierenden Zusammenarbeit

Nik Ostertag schreibt in seinem Rückblick auf das Projekt „Entwicklung, Wissen, Netzwerk“ der Stiftung Arbeitsgestaltung Bedenkenswertes zur Zusammenarbeit verschiedener Anspruchsgruppen, wie sie ja an vielen Baustellen der Berufsbildung angestrebt wird:

„Eine effizient funktionierende Zusammenarbeit setzt eine gemeinsame Sicht auf das Ziel voraus, eine gemeinsame Haltung und eine gemeinsame Kultur. Innerhalb eines solchen Rahmens können dann Lösungen gefunden werden, welche die Bedürfnisse und Beiträge der verschiedenen Mitspieler berücksichtigen – insbesondere der Jugendlichen selber. Ausserhalb eines solchen Rahmens können im besten Fall Steuerungsmassnahmen einzelner staatlicher Stellen eine gewisse Ordnung herstellen. Damit ist allerdings das Zusammenspiel der verschiedenen notwendigen Prozesse noch nicht gewährleistet und die Berufsbildung noch nicht als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen.“

Was kann man an Kompetenzen schlecht finden?

Seit Jahren schätze ich die Beiträge der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Gabi Reinmann, Professorin für Lehren und Lernen an der Universität der Bundeswehr München, und lese deshalb ihren Blog „E-Denkarium„. Sie erprobt mit grossem Einsatz immer wieder Neues , besonders auch in ihrem eigenen Unterricht. Sie ist zudem äusserst vorsichtig, wenn sie den Eindruck hat, dass zu viele ihrer Kolleg/innen einem neuen wissenschaftlichen ‚Hype‘ nachrennen.

Ein eben erschienener Beitrag behandelt die auch in der Schweizer Berufsbildung verfolgten Mode, Lehrpläne als Kompetenzen zu formulieren. Nachdem ich eben geholfen habe, auf dieser Basis eine Berufsprüfung zu konzipieren und dabei neben den Stärken auh die Schwächen dieses Ansatzes erlebe, nehme ich ihre Frage doppelt ernst und erlaube mir, aus ihrem Text zu zitieren:

„Beim Lesen von Beiträgen zum Kompetenzthema beschleicht mich trotzdem immer so ein zwiespältiges Gefühl. Es stören mich mehrere Dinge, ohne dass ich wirklich genau explizieren könnte, was es ist, das mich stört:

• Vielleicht stört mich der implizit in der „neuen“ Kompetenzorientierung steckende Vorwurf, vor der Kompetenzwelle hätte niemand Interesse am Handeln gehabt, was man so sicher nicht stehen lassen kann.
÷ Vielleicht stört mich aber auch die mit der Kompetenz- und Output-Orientierung verbundene (scheinbare oder tatsächliche?) Abwertung der Inhalte bzw. der Sache, mit der man sich in einem Studium beschäftigt bzw. beschäftigen sollte.
• Damit zusammenhängend stört mich vielleicht auch die sich bei mir einschleichende Befürchtung, dass man in einem „kompetenzorientierten Studium“ vor allem um sich selber kreist und sowohl Inhalte als auch andere Personen letztlich nur Mittel zum Zweck (welchen genau?) werden.
• Vielleicht stört mich darüber hinaus ein impliziter Widerspruch, nämlich der zwischen der Behauptung, dass nun alles Interesse an den Kompetenzen hafte, die als Dispositionen allerdings nicht direkt erkennbar sind, und der Forderung, alles Augenmerk plötzlich auf das sichtbare Verhalten zu lenken, das ja allenfalls ein Indikator für eine Kompetenz sein kann.“

„Markt-Design“ auf den Lehrstellenmarkt anwenden!

Mir war es natürlich klar: Der Lehrstellenmarkt ist ein Markt, bei dem die Verteilungsfrage nicht durch Preise koordiniert werden kann, womit er sich von den klassischen Märkten für Güter und Dienstleistungen unterschiedet. Was ich nicht wusste: In den Wirtschaftswissenschaften ist eine neue Disziplin entstanden, die versucht, Verfahren zu entwickeln um solche Märkte zu optimieren. Jacob Goeree und Konrad Mierendorff haben dieses Jahr in diesem Zusammenhang den Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Auf der Basis ihrer Arbeiten ist eine neue Diszplin entstanden, die sich mit „Markt-Design“ beschäftigt und versucht gute Verfahren zu finden, um Märkte zu optimieren, die nicht über Preise ablaufen.

Die NZZ beschreibt im diesbezüglichen Aufsatz ein Beispiel, das demjenigen der Schulabgänger/innen im Lehrstellenmarkt gleicht: „Ein wichtiger Anteil des medizinischen Personals in Krankenhäusern in den USA besteht aus Assistenzärzten, die gerade ihr Medizinstudium abgeschlossen haben. Bis in die fünfziger Jahre war dieser Arbeitsmarkt im Wesentlichen dezentral organisiert, was zu grossen Ineffizienzen führte. Erstens bewirkte der Wettbewerb um die besten Absolventen, dass Krankenhäuser immer früher versuchten, ihre Assistenzarztstellen zu besetzen. Das ging so weit, dass sich Medizinstudenten bereits lange vor ihrem Studienabschluss auf eine Stelle in einem Krankenhaus festlegen mussten. Dadurch entging den Studenten die Möglichkeit, ihre im weiteren Studium erworbenen Qualifikationen zu nutzen, um ihre Bewerbungschancen zu erhöhen. Und sie konnten auch nicht im Laufe des Studiums herausfinden, welche Spezialisierung ihnen am meisten liegt. Auch kam es häufig vor, das Absolventen Stellenangebote erst so spät ablehnten, dass die Krankenhäuser keine Möglichkeit mehr hatten, weitere Angebote zu machen. Diese Art der ineffizienten Verstopfung führte dazu, dass nicht alle Stellen rechtzeitig besetzt wurden.“ (NZZ, 20.12.12, S. 31 und Web-Auftritt)

Für den Lehrstellenmarkt ist mir ein einziger Ansatz von „Markt-Design“ bekannt: das von den Grossbanken vor einigen Jahren ausgehebelte „Gentlemen’s Agreement“, wonach Lehrverträge nicht vor dem 1. November des Vorjahres abgeschlossen werden dürfen. Vielleicht könnte versucht werden, mit diesen Ansätzen der Wirtschaftswissenschaften bessere Formen des Lehrstellenmarktes zu finden! Ein diesbezügliches Postulat wurde eben im NR eingereicht.

Attraktiver Werbefilm

Der Gewerbeverband des Bezirks Meilen hat zusammen mit dem Kantonalen Gewerbeverband Zürich und dem MBA Zürich einen attraktiven „Lehrlingsfilm“ gemacht, der übers Web zugänglich ist. Rassig und professionell geschnitten kommen Lernende und Lehrende zum Wort. Zielpublikum sind Jugendliche in der Berufswahl (und ihre Eltern), die Botschaft lautet: Handwerkliche Lehren sind attraktiv, spannend, herausfordernd – und stellen eine gute Basis für eine Karriere dar.

Schade hörte man auch hier wieder:
Die Berufslehre ist Basis für spannende Jobs, Weiterbildung, Fachhochschulen und sogar der Übertritt in die Universität ist möglich. Womit einmal mehr festgehalten wird, dass ein Universitätsbesuch das ‚höchste der Gefühle‘ ist, besser als Fachhochschulen, höhere Berufsbildung usw.
Ich höre diese Aussage immer wieder, auch bei eingefleischten Berufsbildungs-Fachleuten.

Der Gewerbeverband Meilen hat übrigens bereits früher interessante Kampagnen durchgeführt, um die Jugendlichen an der „Goldküste“ auf die Berufsbildung hinzuweisen, vgl. www.gbmmeilen.ch/51/

Forschung: Auswirkungen der Fragestellung auf die Ergebnisse

Ich stosse immer wieder auf Texte, die meine Skepsis bezüglich quantitativen Untersuchungen in den Bildungs-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften stützen.

Zum Beispiel der Text von Christian Fichter und Felix Schläpfer (KOF, ETH) zur Bedeutung der Formulierung von Fragen.

Einleitend zitieren die Autoren eine Untersuchung von Tversky und Kahneman zu Unterschieden, ob „inhaltlich gleichwertige Konsequenzen positiv oder negativ formuliert werden – z. B. als «Anteil der Leute, die sterben» oder als «Anteil der Leute, die gerettet werden», in der „dramatische Unterschiede in der Bewertung von Risiken“ festgestellt wurden. Im Zentrum des Aufsatzes steht die Erfassung der Zahlungsbereitschaft, z.B. der Frage, wie viel jemand bereit wäre, an den Schutz von Wildnisgebieten zu zahlen. Sie kommen zum Schluss: „Die angewandte ökonomische Befragungsforschung hat sich noch kaum mit den Abweichungen des menschlichen Verhaltens vom Homo oeconomicus befasst. Die Situation ist paradox: Einerseits werden bestimmte Arten von Verzerrungen der Resultate, etwa durch ungenügend grosse oder nicht repräsentative Stichproben, sehr ernst genommen. Eine Studie, die solchen Verzerrungen nicht durch aufwändige, kostspielige Stichproben und durch die Schätzung von Vertrauensintervallen Rechnung trägt, würde heute kaum noch finanziert. Ganz anders sieht der Umgang mit problematischen Antwortheuristiken aus. Diese mindestens so wichtige Quelle von Verzerrungen, die in der traditionellen Ökonomie aber nicht existiert, wird kaum je beachtet, selbst in angesehensten Studien“, z.B. derjenigen von Carson et al.

Persönlich habe ich dies vor allem bei der Erfassung der notwendigen Vorbildung für einen erfolgreichen Lehrbesuch (Kompetenzprofile des KGV Zürich) festgestellt. Ich frage mich wie weit beispielsweise die in den PISA-Untersuchungen verwendeten Forumulierungen diesbezüglich untersucht worden sind.

In einemaandern Text frägt übrigens einer der Autoren, Felix Schläpfer „Was ist unwissenschaftlich an der modernen Wirtschaftswissenschaft?“ und kommt zum Schluss: „Ein einzelner Forschender oder Dozent kann kaum aus den disziplinären Traditionen ausbrechen, ohne seine wirtschaftliche Existenz zu gefährden.“

Angaben zu den oben erwähnten Untersuchungen:
Tversky, A., Kahneman, D., 1981. The framing of decisions and the psychology of choice. Science 211, 453-458.
Carson, R. T., Mitchell, R. C., Hanemann, M., Kopp, R. J., Presser, S. et al., 2003. Contingent valuation and lost passive use: Damages from the Exxon Valdez oil spill. Environmental & Resource Economics 25, 257-286.