4% aller Zugangsberechtigungen zu universitären Hochschulen gingen 2014/15 an Berufsmaturan/dinnen

Die Passstelle, die Personen mit Berufsmaturität den Zugang zu den universitären Hochschulen öffnet, gewinnt an Bedeutung: Im Schuljahr 2014/15 wurden 752 Ausweise erworben, davon 43% von Frauen. (Quelle) Das entspricht rund 5% der Personen, die im gleichen Jahr eine BM erworben haben (14’172) und 4% aller erteilten Zugangsberechtigungen (18’438 gymn. Maturitäten und 752 Passerellen).
Die Zahl der Ausweise nach dem Besuch einer Passstelle nimmt fast jedes Jahr zu (Quelle):

NewImage

Verdreifachung der Absolventzahl der eidgenössischen Berufsmaturitätsprüfungen

Es geht leicht vergessen, dass es – wie bei der gymnasialen Maturität – auch bei der Berufsmaturität eidgenössische Prüfungen gibt.
Die eidgenössischen Berufsmaturitätsprüfungen (EBMP) bieten die Möglichkeit, nach individueller Vorbereitung ein eidgenössisches Berufsmaturitätszeugnis zu erwerben. Sie werden von der Eidgenössischen Berufsmaturitätskommission (EBMK) im Auftrag des Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) durchgeführt. Nachdem zwischen 2004 und 2014 jeweils 15 bis 32 erfolgreiche Abschlüsse gezählt wurden (Durchschnitt: 22), schnellte diese Zahl 2015 auf 77 hinauf. (Quelle: Prüfungssekretariat der EBMP)
Es wird vermutet dass dies eine Folge einer Praxisänderung der FHS sein könnte: Personen, die über ein EFZ verfügen, werden nicht mehr zu internen Aufnahmeprüfungen zugelassen. Die Zahl ist aber immer noch verschwindend klein: 2014 wurden total 14’177 Berufsmaturitäten vergeben.

Berufsmaturität in Österreich

Ich bin wieder mal erstaunt, wie einfach manches in Österreich geht. Dieses Mal im Zusammenhang mit der Berufsmatura. So wird sie in einem Berufsbild vorgestellt:

Lehre und Matura
Mit einer erfolgreich abgeschlossenen Lehre und vier weiteren Prüfungen erlangen Sie die Berufsmatura (Berufsreifeprüfung). Diese öffnet Ihnen den Zugang zu Universitäts- und Fachhochschulstudien. Außerdem ermöglicht sie zusätzliche Karrierewege im erlernten Beruf, aber auch außerhalb des bisherigen Berufsfeldes.
Und so geht es:
Die Berufsmatura besteht aus vier Teilprüfungen: Deutsch (schriftlich und mündlich) und Mathematik (schriftlich), eine lebende Fremdsprache (schriftlich oder mündlich) und ein Fachbereich (schriftliche Prüfung oder Projektarbeit und mündliche Prüfung). Der Fachbereich ist ein Thema aus dem Berufsfeld des Kandidaten/der Kandidatin.
Wie funktioniert die Vorbereitung?
Die Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung erfolgt in Vorbereitungskursen, die von Erwachsenenbildungseinrichtungen (z. B. WIFI, bfi, Volkshochschulen), Berufsschulen oder höheren Schulen (z. B. AHS, HAK, HTL, HLW) angeboten werden. In solchen Lehrgängen können auch die jeweiligen Teilprüfungen abgelegt werden. Drei der vier Teilprüfungen können bereits während der Lehre abgelegt werden. Zur letzten Teilprüfung kann man nach erfolgreichem Lehrabschluss, aber nicht vor dem 19. Geburtstag antreten.
Durch ein Förderprogramm, können die Vorbereitungskurse und die Prüfung seit September 2008 in ganz Österreich kostenlos angeboten werden. Zur konkreten Ausgestaltung der Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung bestehen in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Modelle. Informationen bieten u. a. die Bildungseinrichtungen und die Lehrlingsstellen der Wirtschaftskammern.

Diese Darstellung des Wegs zur Berufsmatura ist offenbar Teil jedes Berufsbilds der Reihe bic – gute Werbung dafür!

Kürzlich bin ich auch im Rahmen der Berufsbildung für Erwachsene auf ein Vorgehen gestossen, dass einfach und plausibel tönt. Ich frage mich dann jeweils, ob die Resultate schlechter oder sogar wesentlich schlechter sind als bei unseren sehr viel anspruchsvoller geregelten Verfahren.

Gleichartig statt gleichwertig?

Prof. Dieter Euler hat im neuen „folio“ (einmal mehr) einen interessanten Denkanstoss gegeben: Die Einsatzgebiete von Absolvent/innen beruflicher Bildungswege würden sich von denjenigen akademischer Studien in manchen Feldern kaum noch unterscheiden. Die Abgrenzungsformel „Gleichwertig, aber nicht gleichartig“ erweise sich immer mehr als Beschwörungsrhetorik statt als Beschreibung der Wirklichkeit. Euler nennt als Beispiel die Ausbildungen von Dipl. Pflegepersonen (Höhere Fachschule) und von BSc in Pflege (Fachhochschulen). Mir fallen dazu auch Ausbildungen in den Bereiche Gestaltung, Informatik, Architektur ein.

Interessant auch ein Schluss, den er daraus zieht: Weshalb ist der Zugang zu Fachhochschulen ausschliesslich über zusätzliche Allgemeinbildung möglich, nicht auch über zusätzliche berufliche Bildung?
Dazu ein Blick über die Grenze: In vielen deutschen Bundesländern eröffnet ein Meisterdiplom ebenfalls den Zugang zu Universitäten, nicht nur ein Abitur. Österreich kennt wie die Schweiz die Berufsmaturität. Sie basiert dort jedoch auf einer Kombination von zusätzlicher Allgemeinbildung und zusätzlicher Berufsbildung.

Paul Sommerhalder ist gestorben

Am 13. November 2013 ist Paul Sommerhalder gestorben, 93-jährig.

Initiant der Berufsmittelschule

Präsident des Schweizerischen Verbandes für beruflichen Unterricht in entscheidender Zeit

Für mich: Vorbild, Freund und Förderer.

Emil Wettstein

Hier ein kurzer Text von ihm, den ich auf meiner Harddisk fand …

Alternative zur gymnasialen Bildung
Die Berufsmittelschulen (BMS) haben in der Schweiz eine ganz erfreuliche Entwicklung gemacht, die wir uns 67/68 nicht hätten träumen lassen. Wir waren ein Berufsschullehrerquartett an der Gewerbeschule Aarau. Uns ging es damals darum, das Mauerblümchen Berufsschule aufzuwerten. In jenen Jahren bedeutete Begabtenförderung vor allem Förderung der Mittel- und Hochschulen. Die Lehrer und Eltern hatten den Ehrgeiz, möglichst viele Schüler ins Gymnasium oder in ein Lehrerseminar zu bringen. Daher blieben für die Berufsbildung immer weniger leistungsfähige Schüler. Unsere Klassen wurden heterogener und durch mehr schwächere Lehrlinge belastet; dies erschwerte den Unterricht.
Endgültig aus dem Busch geklopft hat uns dann die Idee der Gymnasiallehrer, eine „Schule für mittlere Kader“ zu gründen. Darauf haben wir mit viel Idealismus und Einsatz das „Aarauer Modell “ entwickelt. Dabei stiessen wir bei einigen Kollegen auf Widerstand. Diese hatten für mehr Allgemeinbildung kaum Verständnis. Im Nachhinein hat sich unser Konzept jedoch als richtig erwiesen. Allgemeinbildung ist für die Mobilität der Berufsleute wichtig, und zwar aus beruflichen wie auch aus gesellschaftspolitischen Überlegungen.
Wir wollten nicht nur Lehrlinge ansprechen, die nachher eine Hochschulkarriere machen würden. Es sollten auch künftige Kaderleute in Industrie, Gewerbe und anderen Wirtschaftszweigen von einer besseren theoretischen Ausbildung profitieren. Trotzdem war die Durchlässigkeit für uns ein wichtiges Thema. Mit der HTL Windisch fanden wir eine Regelung für den prüfungsfreien Übertritt von BMS-Absolventen. Damit wurde die BMS zur Alternative zur gymnasialen Bildung und das Ziel „Aufwertung Berufslehre“ erreicht.

… und einige Publikationen von ihm, fast alle via Web oder in der Bibliothek der PH Zürich erhältlich:

Der Gewerbeschüler. [Jg.] 36, [1957/58]. Beil. 2. Geschäftskundliches Rechnen für das Baugewerbe von Paul Sommerhalder Sauerländer (1962)

Berufsbildung im Umbruch. l. Aktuelle Tendenzen, 2. Berufsmittelschule. Zürich : Institut f. Bildungsforschung u. Berufspädagogik d. Kantons Zürich 1970

Gewerbeschüler. [Jg.] 49. [1970/1971]. Leseh. 3/4. Unsere Armee. Verl. Gewerbeschüler, Sauerländer (1970) (zusammen mit Max Mathys)

Rechnen für Coiffeusen und Coiffeure des Damen- und Herrenfachs. Schülerausgabe von Karl Hauser, Alfred Rutz und Sommerhalder Paul (1980)
Allgemeines Rechnen für verschiedene Berufe von Paul Sommerhalder und Markus Hösli (1982)

Ausbildung und Anforderungen, insbesondere im Bereich Informatik, mit Rückschlüssen auf den beruflichen Unterricht, aus der Sicht ausgewählter Lehr- betriebe, Zürich (Amt für Berufsbildung) 1986.

Lehrlingsausbildung in Betrieben mit Spitzentechnologien, Zürich (Amt für Berufsbildung) 1987.

So entstand die Berufsmittelschule (BMS) : die Einführung einer Neuerung in der schweizerischen Berufsbildung 1968 : aus der Sicht der Initianten und mit persönlichem Kommentar des Verfassers dargestellt – Zürich : [s.n.], 1989.

Pioniere der Berufsbildung: Erwin A. Jeangros. http://www.panorama.ch/pdf/1993/Heft_4_1993/pan93435.pdf

Ausbildung in allgemeiner Krankenpflege – ein Erfahrungsbericht. http://www.panorama.ch/pdf/1991/Heft_3_1991/pan91325.pdf

Projektunterricht an der Gewerblich-Industriellen Berufsschule des Kantons Zug. http://www.panorama.ch/pdf/1990/Heft_3_1990/pan90333.pdf

Lehrlingsausbildung und Spitzentechnologien. http://www.panorama.ch/pdf/1987/Heft_1_1987/pan87107.pdf

In dem „Blättern für den Berufsschulunterricht“ (heute: Folio) dürften vor und nach 1970 mehrere Aufsätze von Paul Sommerhalder zu finden sein – er war damals (sehr aktiver) Leiter des Schweiz. Verbandes für beruflichen Unterricht (SVBU, heute B-CH). 1970 tritt der SVGU unter seiner Leitung mit einer grossen Tagung unter dem Titel „Berufsbildung im Umbruch“ an die Öffentlichkeit. Es sei „zu lange für zu viele zu wenig getan“ worden, deshalb sei nun die Berufsbildung „durch Sofortmassnahmen zu verbessern sowie durch mittelfristige und langfristige Pläne auf die Erfordernisse der Zukunft auszurichten“ (Blätter 1970, 8/9). Der Liestaler „Paukenschlag“, wie die Tagung der Berufsschulverbände bezeichnet wurde, fand in der Tages- und Fachpresse ein nachhaltiges Echo.

Genf bietet eine Fachmaturität „Modedesign“ an.

Die EDK listet für die Fachmittelschulen sechs Fachrichtungen auf: Soziale Arbeit, Pädagogik, Kommunikation und Information, Gestaltung und Kunst, Musik und Theater, Angewandte Psychologie. Die Liste ist nicht abschliessend.

Im Kanton Genf kann nach dem Erwerb des Fachmittelschulausweises an einer Ecole de culture générale in einem weiteren Jahr eine Fachmaturität in den Richtungen Soziale Arbeit, Gesundheit und vier gestalterische Fachmaturitäten erworben werden: architecture d’intérieur, communication visuelle, design mode, design bijou. Der Unterricht für die gestalterischen Richtungen wird von der Ecole des arts décoratifes (EAA) durchgeführt. Der Erwerb der Fachmaturität berechtigt zur Teilnahme am concours d’admission der Genfer Fachhochschule für Gestaltung HEAD.

Mit der Berufsmaturität in die Universität

Die Hochschule Liechtenstein wird zur Universität, so ist der NZZ vom 11. Juni 2010 zu entnehmen. Da interessiert natürlich, was das für Ostschweizer/innen mit einer Berufsmaturität bedeutet, von denen viele in Vaduz Architektur, Informatik oder einen der wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge besuchen. „Mit der Berufsmaturität in die Universität“ weiterlesen

Eidg. Berufsmaturitätskommission will Berufsmaturität evaluieren

Die Eidgenössische Berufsmaturitätskommission (EBMK) hat sich an der Sitzung vom 4. September 2009 insbesondere mit folgenden Themen auseinandergesetzt: Erarbeitung Rahmenlehrplan für die Berufsmaturität, Evaluation der Berufsmaturität, Anträge in Anerkennungsverfahren.
Kurzprotokoll der Sitzung: http://www.bbt.admin.ch/themen/grundbildung/00131/00132/01091/index.html?lang=de der Sitzung.

Passerelle von der Berufsmaturität an universitäre Hochschulen: Ausbildungslehrgang in Freiburg

Die „Vorbereitungskurse auf das Hochschulstudium in der Schweiz“ ( VKHS ) bieten nun auch die Passerelle an, mit der Inhaber/innen einer eidgenössischen Berufsmaturität den Zugang zur Universität ermöglicht wird. Der Kanton Freiburg hat dafür grünes Licht gegeben.
(30.7.2009)

LU: Die Berufsmatura soll für leistungsstarke Jugendliche attraktiver werden

LU: Die Berufsmatura soll für leistungsstarke Jugendliche attraktiver werden

Der Kanton Luzern will die Attraktivität der Berufsmatura für leistungsstarke Jugendliche fördern. Ab Schuljahr 2010 sollen zusätzliche Ausbildungsrichtungen angeboten werden um begabte Jugendliche vermehrt in die Berufsbildung zu holen.
Mehr Infos hier

(Via PANORAMA.aktuell.)

EBMK-Replik: Den Königsweg an die FH gibt’s sehr wohl

In PANORAMA.aktuell [4/2009|http://www.panorama.ch/de/nl/5378] publizierten wir unter dem Titel „Der Königsweg‘ war nie Realität“ ein Interview mit Urs Kiener. Der Sozialwissenschaftler zeigte, dass der Anteil der gymnasialen Maturandinnen und Maturanden an den Fachhochschulen (FH) stark gestiegen und die Berufsmaturität nicht mehr der „Königsweg“ zur FH sei. Dieser Lesart widerspricht nun Andreas Brand, Präsident der Eidgenössischen Berufsmaturitätskommission in einer [Replik|http://www.edudoc.ch/record/33332]. Brand: „Der Königsweg‘ zur Fachhochschule geht nach wie vor über die Berufsmaturität. Zumindest dort, wo entsprechende Berufslehren existieren.“ (8.7.09)

LU: Die Berufsmatura soll für leistungsstarke Jugendliche attraktiver werden

Der Kanton Luzern will die Attraktivität der Berufsmatura für leistungsstarke Jugendliche fördern. Ab Schuljahr 2010 sollen zusätzliche Ausbildungsrichtungen angeboten werden um begabte Jugendliche vermehrt in die Berufsbildung zu holen.
Mehr Infos hier .
(PANORAMA.aktuell 19.6.2009)

Totalrevision der Berufsmaturität: Bundesrat hat die Verordnung BMV unterzeichnet

Am 24. Juni 2009 hat der Bundesrat die vollständig revidierte Berufsmaturitätsverordnung BMV genehmigt. Sie tritt am 1. August 2009 in Kraft. Es kann jetzt mit der Erarbeitung des gesamtschweizerischen Rahmenlehrplans begonnen werden, „Totalrevision der Berufsmaturität: Bundesrat hat die Verordnung BMV unterzeichnet“ weiterlesen

Studien: Lehrabbrüche, Evaluation der Passerelle Berufsmaturität – universitäre Hochschule, förderorientiertes Coaching

Die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung präsentiert Hinweise auf drei einschlägige Untersuchungen:
Lehrabbrüche und andere Entscheidungen, die Laufbahn zu ändern. Download
Evaluation der Passerelle zwischen Berufsmaturität und universitärer Hochschule. Download
Coaching Jugendlicher im Übergang Schule-Beruf. Download
(PANORAMA.aktuell 9.6.2009)

Berufsmaturität: Die beiden Basel lancieren Promotions-Website

Die Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt haben auf der für Jugendliche bestimmten Website www.berufsmaturbb.ch/ die wichtigsten Informationen zur Berufsmaturität zusammengetragen. Neben den vielfältigen Sachinformationen zur Berufsmaturität werden auch ehemalige BM-Lernende vorgestellt.
Medienmitteilung
(PANORAMA.aktuell 14.4.2009)