Bund fasst Bildung im EVD zusammen

Während vieler Jahre wurde es gefordert: die Zusammenfassung der Bildung in einem Departement. Auf den 1. Januar 2013 wird sie Tatsache, so hat es der Bundesrat am 29. Juni 2011 beschlossen.
Was nicht zu erwarten war: die Bildung kommt ins Eidg. Volkswirtschaftsdepartment, das Departement des Innern gibt das Staatssekretariat für Bildung und Forschung zusammen mit der ETH an das EVD ab und bekommt dafür von diesem das Veterinärwesen. Für die Bildung ist also in Zukunft das Volkswirtschaftsdepartment zuständig, die Hochschulgesetzgebung, die neben den Fachhochschulen auch die Universitäten und die Pädagogischen Hochschulen regelt, gehört zum Arbeitsbereich des Volkwirtschaftsdepartement, das allerdings – so ist der NZZ vom 30. Juni zu entnehmen – möglicherweise einen neuen Namen erhält.
Damit hat der Bund anders entschieden als die Kantone: Irrtum vorbehalten ist die Berufsbildung nur noch im Kt. Zug bei der Volkswirtschaftsdirektion.Dieser Entscheid scheint mir derart wichtig, dass ich den zentralen Teil der Medienmitteilung wiedergeben möchte:

In den letzten Jahren hat auch das Parlament in verschiedenen Motionen Reformen gefordert. Diese betreffen insbesondere eine Reorganisation im Bildungsbereich sowie eine engere Verbindung der mit Sicherheitsfragen beauftragten Dienststellen.

Der Bundesrat hat folgende Änderungen beschlossen:

Die Bereiche Bildung, Forschung und Innovation werden in einem Departement vereint. Das Staatssekretariat für Bildung und Forschung sowie der Bereich der Eidgenössischen Technischen Hochschulen (beide bisher im Eidgenössischen Departement des Innern EDI) werden künftig gemeinsam mit dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) im Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement EVD angesiedelt. Damit berücksichtigt der Bundesrat eine langjährige zentrale Forderung des Parlaments, unterstreicht die Bedeutung dieses Bereichs und stärkt gleichzeitig die Tätigkeiten diverser Partner wie der Kantone, der Eidgenössischen Technischen Hochschulen, der Universitäten und Fachhochschulen.

Hier noch das Organigramm, das der Mitteilung beigefügt war.

Ich teile zwar die Meinung von Rudolf Strahm nicht, die Berufsbildung hätte in der Vergangenheit nur dank ihrer Eingliederung ins EVD überlebt und ihre Angliederung ans EDI wäre eine „Katastrophe“ gewesen, denn „das hätte der ‚Latinisierung‘ und ‚Akademisierung‘ des schweizerischen dualen Berufsbildungssystems Vorschub geleistet.“ (Schweizer Gewerbezeitung vom 8. Juli). Trotzdem finde ich die getroffene Lösung nicht schlecht. Dem Wechsel der Berufsbildung bei den Kantonen von den Volkwirtschaftsdirektionen in die Bildungsdirektionen habe seinerzeit als ambivalent erlebt. Die Bildungsexperten und die der Bildung verpflichteten Behörden zeigen immer wieder Mühe zu vestehen, dass Bildung auch ausserhalb von Schulen stattfinden kann. Nun wird also die Berufsbildung beim Bund  vom Eidg. Volkswirtschaftsdepartement vertreten und für die Kantone wird das Sekretariat der Konferenz der Erziehungs(!)direktorinnen und -direktoren sprechen. Dies dürfte zu fruchtbaren Entwicklungen führen, wenn man – im Gegensatz zu Rudolf Strahm – darauf verzichtet, immer wieder den Gegensatz zwischen Mittelschulen und Berufsbildung  hochzuspielen und so zu tun als hätten wir in der Schweiz als einziges Land der Erde ein brauchbares Bildungssystem.