3D-Drucker verändern die Arbeitswelt, die Berufsbildung und vielleicht sogar die Berufspädagogik

Die Entwicklung der Berufsbildung wird durch Veränderungen der Arbeitswelt determiniert, mehr noch als durch Veränderungen des Bildungswesens (hier).
Die wichtigste Entwicklung in der Arbeitswelt dürfte in nächster Zeit das Aufkommen der 3D-Drucker sein.

Wer nicht in einschlägigen Bereichen arbeitet erlebt die 3D-Drucker als Spielzeug, als Gadget für Nerds. 3D-Drucker können aber nicht nur Figürchen aus Plastik drucken, sondern auch komplizierte Werkstücke aus Titan und anderen Hochleistungswerkstoffen, vgl. hier. Die dafür nötigen Maschinen kosten heute ähnliche Beträge wie kleinere Fertigungszentren (6-stellige Frankenbeträge). Ihre Anschaffung ist somit für spezialisierte KMU möglich, wobei eine rasche Abschreibung einberechnet werden muss.

3D-Drucker ersetzen in erster Linie spanabhebende Bearbeitungsverfahren, treten aber auch an die Stelle gewisser Gussverfahren und können Schweisskonstruktionen ersetzen. Sie haben somit einen grossen Einfluss auf die Ausbildung von Polymechanikern und anderen MEM-Berufen.

Der Einfluss geht aber über den Wechsel von einem Fertigungsverfahren zum andern hinaus. Er ermöglicht grundsätzlich neue Vorgehensweisen, wie der oben verlinkte Beitrag zeigt, ist also auch bedeutungsvoll für Ausbildungen auf der Tertiärstufe. Ja, er stellt sogar für die Berufspädagogik neue Fragen:

Eduard Käser, stellt in seinem Aufsatz im Journal21 die Arbeit mit 3D-Druckern in Beziehung zur alten Diskussion über die Ablösung der Handarbeit durch Maschinen. Er berücksichtigt dabei die klassischen Bemühungen wie das Arts-and-Crafts-Movement, aber auch Bewegungen der Gegenkultur, wie sie in der 2. Hälfte des 20. Jh. verbreitet waren. Die neuste Welle sieht er im Maker Mouvment, wozu wohl auch die Repair Cafés zu zählen sind, die ja auch den 3D-Drucker erfolgreich einsetzen.

Manche Autoren erwarten mit dem Aufkommen der 3D-Drucker, die ja auf die Produktion von Einzelstücken ausgerichtet sind und der Gestaltung neue Möglichkeiten öffnen, eine neue Welle von Handwerk oder sogar Kunsthandwerk. Eduard Kaiser vertritt im Gegensatz dazu die Auffassung, die Arbeit mit 3D-Druckern sei eher als Gegensatz zur handwerklichen Arbeit zu verstehen: „Der 3D-Drucker markiert also im Grunde einen neuen Höhepunkt in der Trennung von Kopf und Hand. Radikaler als zuvor nimmt er uns das Machen aus den Händen.“

Vorausgesetzt, der 3D-Drucker bewirkt die Entstehung einer neuen Fertigungsform und -organisation, wie die Informatik die Bürowelt verändert hat – ich glaube, dass dem so ist – dann darf sie nicht als ein „Zurück zum Handwerk“ verstanden werden, sondern eher als das Gegenteil. Spannend sind in diesem Zusammenhang auch Überlegungen, die in Deutschland unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ angestellt werden, die eine „Neuordnung der Arbeitswelt“ erfordere.